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Brauche ich das?

Die Ressourcen unseres Planeten sind begrenzt. Trotzdem konsumieren wir ohne Unterlass. Warum ist das so?Und lässt sich das irgendwie ändern? Unsere Autorin führen diese Fragen zu einem Bergbauern in Südtirol

Von Friederike Gräff

Dass Menschen immer mehr wollen, mehr Besitz, mehr Konsum, wird wie ein Naturgesetz gehandelt, als anthropologische Konstante, mit der man rechnen muss, als Privatmensch, als Ökonomin, als Politiker, als Arbeitgeberin. Wer eine Arbeit sucht, wird dorthin gehen, wo man am meisten bezahlt, wer 10 Kühe haben kann statt 5, wird 10 haben wollen. Aber stimmt das eigentlich? Und warum kauft man selber lustig mit?

Kürzlich war ich bei Erich, einem Bergbauern in Südtirol, wo ich manchmal aushelfe. Erich lebt in einem kleinen schiefen Holzhaus, er ist 71 Jahre alt, sein Traktor ein halbes Jahrhundert, und seine Anziehsachen sind von der Sonne ausgebleicht. Ich kenne Erich seit vier Jahren und habe noch nie erlebt, dass er etwas eingekauft hätte außer den Lebensmitteln, die er unten im Dorfladen besorgt. Ich dagegen habe meinen freien Tag damit verbracht, zum Flohmarkt nach Meran zu reisen, vier Stunden hin und zurück, weil ich mir Großes von den ausrangierten Besitztümern der Meraner Hautevolee versprach.

Ich könnte behaupten, dass es mir darum ging, die Atmosphäre der Jahrhundertwende­stuckpracht zu erleben, aber das trifft es nicht. Ich wollte etwas kaufen, egal was, irgendwie alt, irgendwie besonders. Bin ich die durch den Kapitalismus deformierte Variante von Erich, der nur konsumiert, wenn es eine Notwendigkeit dazu gibt? Oder ist Erich die Ausnahme, eine Laune der Natur, die uns als unersättlich Sammelnde angelegt hat, die nie genug haben?

Wobei meine Frage natürlich schon mit einer Voraussetzung daherkommt: Konsum, genauer, das Bedürfnis danach, ist schlecht. Diese Sicht mag mein protestantisches Erbe sein, aber passt ebenso in die Tradition einer Forschung, vor allem der deutschen, die in den Kon­su­men­t:in­nen Verführte einer kapitalistischen Gesellschaft sieht, die wie Motten den Lichtern der Werbemafia folgen.

Doch in den letzten Jahrzehnten ist der Ton, vor allem in der angelsächsischen Forschung, ein anderer geworden: Kon­su­men­t:in­nen sind nicht in erster Linie Verführte, sondern Selbstbestimmte, die ihr Leben durch Konsum gestalten. Der Historiker Frank Trentmann lehrt am Birkbeck College der Londoner Uni und zeichnet in seiner „Herrschaft der Dinge“ ganze 600 Jahre Konsumgeschichte nach. Darin greift er die Idee des US-Psychologen William James vom „materiellen Selbst“ auf, zu dem der eigene Körper gehört, die Familie, aber auch der materielle Besitz. Für James und Trentmann ist Konsum nichts weniger als der Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Das ist erst mal einschüchternd für alle, die über ein Weniger an Konsum nachdenken, weil er als ein so existentielles Bedürfnis daher kommt.

Ich frage mich, was Erichs materielles Selbst ist. Ich kann mich an keinen Gegenstand erinnern, bei dem ich den Eindruck gehabt hätte, dass er ihm besonders viel bedeutet. Aber natürlich kann ich mich täuschen. Er hat mich nie in sein Haus hereingebeten. Als ich das erste Mal bei ihm war, hielt ich es für einen Schuppen. Erich ist dort aufgewachsen, mit seinen drei Brüdern und den Eltern. Es war ein karges Leben. Die Mutter war Tochter eines Schusters, und der erste Sohn war ein uneheliches Kind. Das muss vor 80 Jahren in einem so kleinen Ort, vorsichtig gesagt, schwierig gewesen sein. Franz, der Bruder, den Erich am meisten liebte, wurde Postbeamter.

Franz hatte nur einen Arm, deswegen war er langsamer als seine Kollegen, und in Stoßzeiten trug Erich für ihn die Post aus, damit es nicht zu spät wurde. Erich selbst wäre gerne Busfahrer geworden, stattdessen übernahm er den Hof, pflegte erst den Vater, dann die Mutter. Geheiratet hat er nie. „Du hast keine Kinder, sondern Katzen“, hatte eine Nachbarin kürzlich zu ihm gesagt. „Was weiß sie denn, was war?“, sagte er später zu mir und klang – das ist sehr selten bei ihm – ungehalten. Einmal erzählte Erich, dass der Vater einen Schlitten für ihn, den Jüngsten, gebaut hat. „Warst du der Liebling?“, fragte ich, aber Erich lächelte nur.

Eine frei­willig gesetzte Leerstelle lässt den Rest umso heller leuchten

Wenn ich bei Erich bin, konsumiere ich nicht. Tatsächlich ist kaum Zeit dafür. Erich geht morgens um sechs in den Kuhstall, ich komme um halb zehn hinterher, und es ist neun Uhr abends, wenn er im Stall das Licht löscht. Es gibt aber auch gar keine Geschäfte außer dem kleinen Dorfladen; Erich hat weder Internetzugang noch einen Computer. Ich habe beides, aber nach der Arbeit auf dem Hof bin ich so müde, dass ich es kaum nutze. Doch das ändert nichts daran, dass ich bei jedem Ausflug in die Läden der Nachbarorte wundervolle Entdeckungen erwarte.

Wann hat Erich je über Konsum gesprochen? Bedeuten ihm Gegenstände etwas? Einmal erzählte er von den Federn, die er für den Sohn eines Helferpaares sammelte. Von den Pfannkuchen seiner Mutter, seinem Lieblingsgericht. Von dem Gefährt für Franz, eine Art Dreirad, das sie hoch getunt hatten, sodass es verboten schnell die Bergstraße hoch und runter raste.

Die meisten dieser Dinge führen zu Franz, der vor zwei Jahren plötzlich starb: das Gefährt und auch die Federn. Erich sagt, dass Franz sich viel besser mit Federn auskannte als er selbst. Erich hat einmal welche als Lämmer­geierfedern ausgegeben, dabei stammten sie von einer Krähe. Federn, Pfannkuchen und ein Dreirad: Vielleicht ist das Erichs materielles Selbst.

Ich konsumiere anders als Erich: statusbezogener, weil der Flohmarkt mich von der Ikeaware abheben soll und trösten über die Momente, in denen mein Sein so weit weg von dem ist, wie ich es gerne hätte – und sei es nur, weil ein Text mal wieder nicht der geworden ist, den ich hatte schreiben wollen. Mein Konsum folgt nicht dem, was mir faktisch fehlt: Ich brauche nicht 8 Pullis, egal ob second hand oder nicht. Laut Frank Trentmann, dem Historiker, gab es all das schon immer: Statuskonsum, über den bereits Seneca in der Antike klagte, und ebenso den Überfluss bei den Wohlhabenden, zu denen übrigens auch Seneca gehörte.

Was neu ist: Den Überfluss können sich heute viele leisten. Der Massenkonsum, der mit den Wirtschaftswunderjahren begann, hat laut Trentmann nicht nur etwas mit einem Mehr an Warenproduktion und Billig­importen auf dem Rücken der Produzierenden zu tun, sondern auch mit Egalisierung. Der Sozialstaat hat durch Transferleistungen wie Kindergeld oder durch Absicherung bei Krankheit mehr Menschen in die Lage versetzt, zu kaufen. Dass die Mittel- und Oberschicht anders als die Unterschicht shoppen und gleichzeitig sparen kann, gehört zum Kleingedruckten der Konsumgesellschaft. Es hat einen Beigeschmack, wenn bildungsbürgerliche Aka­de­mi­ke­r:in­nen dazu aufrufen, den Konsumgürtel enger zu schnallen, ihren eigenen Skiurlaub-und-Ferienhaus-in-Italien-Lebensstil aber nicht mitdenken. Der schlechte Konsum ist immer der der anderen.

Aber auch ein sachlicher, ideologiefreier Blick kann eines nicht übersehen: Es ist zu viel Konsum. Zu viel für den Planeten. Und gerade deshalb ist die Frage über meinen Flohmarktbesuch hinaus relevant: Wo endet das Konsumbedürfnis? Endet es überhaupt irgendwo?

Den Konsumforscher Kai-Uwe Hellmann rufe ich an, weil er in einem Interview den moralinsauren Ton der Konsumdebatte in Deutschland kritisiert hat. Er wird um die Ecke denken, glaube ich. Er sagt mir, dass meine Frage längst vom Tisch sei und, so klingt es in meinen Ohren, auch nicht besonders aufgeweckt. „Im 20. Jahrhundert wurde wiederholt festgestellt, dass der Mensch anthropologisch gesehen keine Begrenzung der Bedürfnisbildung zu haben scheint“, sagt er. „Wenn eine bestimmte Stufe der Sättigung erreicht ist, entwickeln sich neue Bedürfnisse.“ „Ist das naturgegeben?“, frage ich. „Es gibt keinen schlichten Naturdeterminismus mehr“, antwortet Hellmann. Wenn die Frage des Angeborenseins vom Tisch ist, was lässt sich über die gesellschaftliche Prägung von Konsumbedürfnissen herausfinden – wenn man derart umstellt ist von Überkonsum, dass er alternativlos wirkt?

Marshall Sahlins war ein streitbarer US-Anthropologe. Eines seiner Angriffsziele war das Konzept des nutzenmaximierenden homo oeconomicus. Sein Aufsatz „Die ursprüngliche Wohlstandsgesellschaft“ von 1972 ist ein wissenschaftlicher Text, aber es ist auch eine Streitschrift. Denn Sahlins schrieb damit gegen die vorherrschende Einschätzung der Jägergesellschaften als rückständig und prekär an. Er nutzte Feldforschungen zu den !Kung in Namibia und den Murngin in Australien, um zu zeigen, dass diese Gesellschaften nicht deshalb besitzlos sind, weil sie keine Ressourcen haben, sondern weil materieller Besitz in ihrem nomadischen Leben Verlust statt Gewinn bedeutet. Sahlins beschreibt darin auch die Yahgan in Feuerland, die es ablehnten, mehr als ein Exemplar auch von häufig benutzten Utensilien zu haben. „Es ist ein Anzeichen von Selbstvertrauen“, zitiert er einen Forscher, der bei den Yahgan gelebt hat.

Der Text ist berühmt über Wissenschaftskreise hinaus, das Time Magazine griff ihn auf, und in Deutschland ist er 2024 noch einmal erschienen. Ich glaube nicht, dass es nur daran liegt, dass er kurz ist und verständlich geschrieben, auch nicht an der Verve, mit der er den herablassenden Blick der Anthropologie auf die Jägergesellschaften zurückweist. Es liegt an Sahlins Begeisterung, an der Freude, ein Gegenmodell gefunden zu haben, und dann auch noch eines, das nicht bloße Utopie ist, sondern reales Leben. Vielleicht ist es eine verwandte Freude, die ich in Erichs Gegenwart empfinde: jemanden zu sehen, der freier vom Konsumzwang ist als ich.

Aber wie komme ich dorthin? Wie eine ganze Gesellschaft, die zerrissen ist zwischen der Freude am Konsum und dem schalen Nachgeschmack, für den es längst einen Begriff gibt, „shopping hangover“? Sonderbar, dass dieser Kater nie so lange nachwirkt, dass er den nächsten Kauf verhindern würde. Warum eigentlich nicht? Neurophysiologisch gefragt: Wenn beim Konsumieren Dopamin ausgeschüttet wird, ein Botenstoff, der unter anderem für Vorfreude sorgt, warum schreibt sich dann nicht auch die enttäuschte Erwartung ins Gehirn ein? „Eine interessante Frage“, antwortet mir Marc Tittgemeyer vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln. Er hat untersucht, wie das Gehirn die Bedürfnisse nach Nahrung wahrnimmt und Verhaltensreaktionen erzeugt, die das physiologische Gleichgewicht wiederherstellen. „Welche Rolle die Kognition bei der Bedürfnisregulierung spielt, fangen wir erst langsam an zu verstehen“, sagt er. „Beim Essen gibt es doch auch einen freiwilligen Stopp“, sage ich. „Lässt sich das auf anderen Konsum übertragen?“

Aber Tittgemeyer geht schon bei meiner Ausgangsthese nicht mit. Bei 53 Prozent übergewichtiger Menschen in Deutschland gemäß Body-Mass-Index könne man nicht von einer erfolgreichen Regulierung sprechen. Er verweist auf das Dessert, das man im Restaurant noch wählt, obwohl man längst satt ist. Warum? Versetzen wir uns in eine frühzeitliche Jägergesellschaft. Die hat ein Mammut gegessen und ist sehr satt; der Dopaminspiegel ist niedrig. Aber der Gedanke an Zucker treibt ihn wieder nach oben, was evolutionär gesehen sinnvoll ist, weil so wieder genügend Antrieb vorhanden ist, um einem eventuell vorbeischauenden Säbelzahntiger zu entkommen. Nur dass dieser Prozess in einer Gesellschaft mit wenig Säbelzahntigern und viel Zucker fatale Folgen hat.

Wie lässt sich ein Ende des Konsums finden in einer Gesellschaft, in der alles immer vorhanden ist? Lässt sich etwas aus dem Kampf gegen Übergewicht lernen? Marc Tittgemeyer ist vorsichtig mit seiner Antwort. „Ich bin kein Kliniker“, sagt er. Vielleicht so viel: Prävention schon bei Kindern sei wichtig. Und dass die Leute durch positive Rückmeldungen am besten lernen. Tittgemeyer erinnert sich an eine Studie, wonach die Smileys, die fröhlich aufleuchten, wenn man die Normgeschwindigkeit einhält, mehr bringen als die Blitzer. Aber wie verstärkt man eine Leerstelle, ein Nicht-Tun?

Bei der Frage nach dem Konsum geht es nicht nur um Shoppen oder Essen, auch Freizeitverhalten ist ein Feld, auf dem wir tüchtig konsumieren. Das wird mir klar, als ich in Frank Trentmanns Konsumgeschichte ein Protokoll aus dem Jahr 1949 lese, das den typischen Sonntag in einem Arbeiterhaushalt in Südlondon beschreibt. Dieser Sonntag ist spektakulär unspektakulär: Die Familie steht auf, kocht Tee, liest Zeitung, kocht mehr Tee, isst zu Mittag, liest, spielt Karten, macht mehr Tee. Sie verlässt zu keinem Zeitpunkt das Haus.

Erich hat keinen freien Tag, weil er seine Tiere versorgen muss. Aber trotzdem erinnert mich sein Leben an den stillen Sonntag in Südlondon. Was mir ins Auge fällt, ist die Abwesenheit der Angst, etwas zu verpassen. Zugegeben: Das Freizeitangebot im England des Jahres 1949 war bescheiden im Vergleich zum heutigen. Zugegeben: Was weiß ich darüber, wie freiwillig die Begrenzungen von Erichs Leben sind? Aber vielleicht spielt das gar keine so große Rolle, weil es wichtiger ist, wie er mit ihnen umgeht.

Was ich weiß: Erich sieht abends nach der Stallarbeit fern, und einmal erzählte er mir von einer Sendung über eine 100-jährige Japanerin, die begonnen hatte, mit ihrem Enkel die Welt zu bereisen. Ich glaube, er fand bemerkenswert, dass sie so spät damit begonnen hatte; aber es war keine Rede davon, dass er selbst gerne reisen würde. Erich hat nie Urlaub gemacht. Einmal sagte er, dass er gern mal im Zug von Meran zum Gotthard fahren und dabei in die Landschaft schauen würde. Erich steckt wie wenige Menschen, die ich kenne, in seinem eigenen Leben und nicht in einem imaginären, zukünftigen. Vielleicht ist auch das einer der Gründe, weshalb er nicht anfällig ist für Konsum: Er muss sich keine Requisite zusammenkaufen, die ihn in ein anderes, besseres Leben schieben soll.

Vor ein paar Tagen war ich von meinem Drang, Requisiten zu kaufen, so angeödet, dass ich mir Flohmarktabstinenz verordnete. Ich war bestürzt über die Mühe, die es mich kostete, nicht hinzugehen. Als sei ich dabei, mich aus einer langjährigen Sucht zu befreien. Stattdessen blieb ich zu Hause, stritt ein bisschen mit der Familie herum. Es erfüllte mich weder große Freude noch große Ruhe. Am Nachmittag hatte ich zu einer Lesung mit Band im Freien geladen, aber weil es in Strömen regnete, kamen nur vier Leute und ich las letztendlich umgeben von Familie im Wohnzimmer der Sängerin. Es wurde ein sehr guter Nachmittag.

Ich weiß nicht, ob ich mir die Sache schön rede, aber ich glaube, dass die Flohmarkt­abstinenz wie ein Geschmacksverstärker für den Nachmittag gewirkt hat. Die Energie, die nicht in die Suche nach dem außerordentlichen Gegenstand geflossen war, stand mir zur Verfügung, um mit einem Notenständer gut gelaunt durch den Regen zu rennen. Mein Geist war halbwegs ruhig, weil ich nicht innerlich mit mir debattieren musste, ob die neue Leselampe tatsächlich dazu führen würde, dass ich mal ein Buch zu Ende lese. Ich hatte also ausreichend Nerven, um es lustig zu finden, dass die Sintflut bereits nach zehn Minuten wieder aufhörte. Dieser Effekt erinnert mich an den typischen Besuch im Museum: Wenn man zehn Bilder ansieht, ist es gut. Man sieht sie wirklich. Ich weiß das, aber oft gehe ich weiter, weil ich schon mal da bin, weil der Eintritt schrecklich teuer war. Am Ende verschwimmt alles.

Ich glaube, dass Frank Trentmann recht hat, wenn er sagt, dass der Überkonsum nicht individuell zu lösen ist. Dass es gesetzliche Leitplanken geben muss, von der Reparatur- und Recyclingpflicht bis zur Flugbenzinsteuer. Dass der Überkonsum der Überreichen in den Blick genommen werden muss. Dass die taz endlich denjenigen mehr Urlaubstage geben sollte, die nicht fliegen, sondern die Bahn nehmen. Aber ich glaube, das reicht nicht: Man muss einmal gerochen haben, dass es schön ist, das freie Leben. Dass eine freiwillig gesetzte Leerstelle den Rest aufleuchten lässt. Im Rahmen einer kapitalistischen Wirtschaft ist es herausfordernd, das Weniger attraktiv zu machen. Dabei ist es eine Art qualitativer Gewinnmaximierung: mehr Ertrag bei weniger Investment. Ich selbst stehe da ganz am Anfang – aber ich glaube, dass es funktioniert.

Als ich das letzte Mal bei Erich war, saß er oft auf der Kiste mit dem Kraftfutter für die Kühe, weil sein Rücken inzwischen so schmerzt, dass er häufiger pausieren muss. Das Futter ist wie ein Turbomittel für mehr Milch. Erich gibt seinen Kühen ein paar kleine Schütten davon, andere Bauern in der Gegend geben ihren Kühen viel mehr. Die Gleichung ist schlicht: mehr Milch, mehr Geld. „Warum tust du das nicht?“, fragte ich. „Ich mag nicht, wie es die Kühe auslaugt“, sagte Erich.

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