Borussia Dortmund: Spektakel und Schock
Borussia Dortmund und seine neuen Griechen verzaubern die Fans zum Saisonstart mit Leichtigkeit. Dann verletzt sich Konstantelias schwer.
Foto: Fabian Strauch/dpa
Das pure Glück lag über dem Westfalenstadion, als Felix Zwayer am Samstagnachmittag zur Halbzeit pfiff und Borussia Dortmund 2:0 gegen den Hamburger SV führte. Nach Monaten des Verzichts wurde endlich wieder Bundesligafußball gespielt, und dann auch noch in einer Variante, wie es sie lange nicht zu sehen gab in Dortmund.
Die Mannschaft hatte die Menschen mit Schönheit und Eleganz verzaubert, „die erste Halbzeit war Spektakel“, sagte der für den Sportbereich zuständige Geschäftsführer Lars Ricken später. Und weil diese Elemente ganz besonders von zwei im Sommer unter Vertrag genommenen Griechen verkörpert wurden, spielte die Stadionregie nun eine mit satten Technobeats ausgestattete Version des Songs ab, zu dem in dem Film „Alexis Sorbas“ der berühmte „Sirtaki“ getanzt wird.
Die Zuschauer tanzten und feierten Konstantinos Karetsas sowie Giannis Konstantelias, zwei imponierende Fußballer mit griechischem Pass. Beim Boulevard wurde umgehend nach einer passenden Schlagzeile gesucht: „Griechen-Gala“? Oder gar: „Zaziki-Zange?“ Denn der 18 Jahre alte Karetsas hatte Serhou Guirassys 1:0 mit einem doppelten Doppelpass vorbereitet, und Konstantelias, 23, war nach etlichen starken Ballaktionen das Tor zum 2:0 gelungen.
„Die Beweglichkeit, die die beiden haben und trotzdem noch gefährlich sind, das ist eine große Qualität in dem Alter“, sagte Kapitän Waldemar Anton. Es passte sogar, dass die Dortmunder sich entschieden hatten, während dieser beglückenden ersten Halbzeit eine aufwändig produzierte Dokumentation zu veröffentlichen: eine mithilfe von KI entstandene Rekonstruktion des ersten Tores der Bundesligageschichte, von dem es keine Filmaufnahmen gibt.
Tor mit KI rekonstruiert
Im August 1963 erzielte der Dortmunder Timo Konietzka in einer Partie bei Werder Bremen nach 35 Sekunden diesen ersten Treffer, über den seit Jahrzehnten gesprochen wird, den aber nur jene Menschen gesehen haben, die damals im Weserstadion anwesend waren. Nun wurden die 35 Sekunden mit allen Ballkontakten, dem finalen Torabschluss und dem Jubel als Filmsequenz in Schwarz-Weiß nachproduziert.
Als Sirtaki getanzt wurde, war also eine klaffende Lücke in der Historie gefüllt, genauso wie die Leerstelle in der Offensive des BVB, wo plötzlich eine Ballbehandlung und Lösungsansätze in engen Räumen sichtbar waren, die dem Spiel der Mannschaft von Niko Kovač in der vergangenen Saison fehlten. Was jedoch folgte, war ein Schock.
Schock für Konstatelias
In der 52. Minute sank Konstantelias nach einem Zweikampf mit Bakery Jatta auf den Rasen, hielt sich zuerst sein Knie und dann die Hände vors Gesicht. Einer der beiden Hoffnungsträger hatte sich verletzt. Erste Tests wiesen direkt auf einen Kreuzbandriss hin. „Das trübt die Stimmung natürlich sehr, ich befürchte Schlimmeres“, sagte Sportdirektor Nils Book.
Dass die offenkundig von dieser Verletzung berührten Dortmunder nun nicht mehr so leichtfüßig und freudvoll spielten und nach einer Roten Karte für Samuele Inacio auch für diesen Sieg kämpfen mussten, ist leicht nachvollziehbar. Eine der gerade geschlossenen Lücken öffnete sich also doch wieder, wobei die Grundzuversicht auch weiterhin vorhanden ist.
Denn zumindest der starke Karetsas kann in den kommenden Wochen spielen, wovon auch andere profitieren dürften. Jobe Bellingham, der im Franz-Beckenbauer-Supercup gegen die Bayern eine Woche zuvor noch überfordert wirkte, konnte gegen diesen weniger starken Gegner die Angebote des Offensivkollegen annehmen, was die Gefahr von Ballverlusten deutlich senkt. Stark war sein Pass, der das 1:0 einleitete. „Das ist das, was wir wollen“, sagte Kovač, für den dieser Fortschritt „relativ einfach zu erklären“ ist: „Spektakel steht und fällt immer mit deinen Spielern.“
Wuchtig und filigran
Im Idealfall entsteht eine neue Mischung der Fähigkeiten: die Wucht von Bellingham, Maximilian Beier oder Serhou Guirassy gewinnt in Kombination mit dem filigranen Spiel von Karetsas und irgendwann wohl auch wieder Konstantelias eine neue Qualität. Der neue Innenverteidiger Joane Gadou (zuvor RB Salzburg) ist ebenfalls ein Gewinn. Und mit dem für 22 Millionen Euro aus Eindhoven erworbenen Joey Veeman haben die Dortmunder ja noch einen bislang kaum in Erscheinung getretenen Neuzugang in der Hinterhand, der ebenfalls eher spielerische und technische Fähigkeiten einbringt.
Und dennoch ist dieser BVB, der in der Halbzeit sehr bereit war für die nächsten Schritte seiner Bundesligageschichte, ziemlich beschädigt aus diesem ersten Spieltag hervorgegangen. Mit drei Punkten und den neuen Bildern vom ersten Bundesligator zwar, aber eben auch mit der Verletzung von Konstantelias und einer anstehenden Sperre von Inacio.
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