Blackout-Tagebuch eines taz-Redakteurs 2: Ein paar Tage ohne Strom – und was davon bleibt
Der Strom im Südwesten von Berlin ist wieder da, einen Tag früher als angekündigt. Ein Rückblick auf die Erfahrungen der kalten Tage ohne Energie.
Es ist vorbei. Wenn hier jetzt stehen würde: Fast ein bisschen schade, gäbe es bestimmt Dresche. Aber ganz subjektiv, nicht pflegebedürftig und aktuell ohne Kinder im Haus, war das schon eine spezielle Erfahrung mit dem Stromausfall. Der ist seit Mittwoch nun überraschenderweise einen Tag früher als angekündigt vorüber.
Das ganz persönliche Krisenmanagement war nämlich gerade so ins Rollen gekommen: Von der warmen taz am Dienstagabend durchs winterliche und gut verschneite Berlin zum Training mit der warmen Dusche danach geradelt und auf dem Rückweg Pommes-Currywurst für den inneren Wohlfühlfaktor eingeworfen.
Teelichter, passende Lektüre und kuschelige Decke
Im kalten Zuhause dann Teelichteer en masse und die Öllampen an, in die dicke Decke gekuschelt und die passende Lektüre aus dem Regal gezogen: Jack London, „Lockruf des Goldes“, die Stelle mit der Schilderung einer 60-Tage-Schlittenfahrt durchs winterlich-eisige Alaska ab Seite 41.
Und in unserem Sportverein lief ja auch noch die Challenge, wer es am längsten zu Hause im Kalten aushält. Na ja, wir fanden es ja selbst auf Hochzeitsreise unter 10 cm Schnee auf dem Zelt kuschelig …
Wobei dieses Krisenmanagement auch auf den verrenteten netten Nachbarn aufbaute, der tagsüber bei uns mal das Wasser laufen lassen konnte, damit nicht doch am Ende noch die Leitungen einfrieren würden. Um nun ein letztes Mal das Glas halb voll und nicht halb leer zu sehen: Es war ein schönes Gefühl, in einer gerade von viel Spaltung und Kälte geprägten Welt spontan so viel besorgte Nachfragen und Hilfsangebote zu bekommen. Wenn sich bloß von dieser Stimmung etwas bewahren ließe …
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