Bill Gates' Impfstoff ist meine Rettung: Die Corona-OP

Neulich auf dem Weg nach Hause führte ich ein ermutigendes Gespräch. Seltsam nur, dass ich dafür die Maske abnehmen sollte.

Eine Krankenschwester hält eine Spritze mit einer Flüssigkeit in die Höhe.

... und Bill Gates bezahlt. Herrlich! Foto: dpa

Ich habe mir eine hübsche Maske gekauft, hellblau mit gelben Sternchen drauf, und gehe fröhlich pfeifend nach Hause. Prompt gerate ich in eine große Demonstration. Kein Mensch wird mir wohl glauben, wenn ich jetzt sage, dass ich in meinem Leben noch nie an einer Demonstration teilgenommen habe. Ich bin nicht stolz darauf. Aber jeder hat nun mal seine Schwachpunkte. Manche essen zu viel, manche betrügen das Finanzamt – ich gehe nicht demonstrieren. Obwohl die anderen beiden Punkte mir auch nicht ganz fremd sind.

Heute ist der perfekte Tag dieser Schande endlich ein Ende zu setzen und meine neue, schicke Maske spazieren zu führen. Entschlossenen Schrittes mische ich mich unter die Demonstranten und bin stolz wie Oskar.

„Wogegen demonstrieren wir denn, Kollege“, frage ich meinen Nebendemonstranten.

„Hää?“, ruft er verwirrt.

„Du weißt es auch nicht? Ist auch egal. Dabei sein ist alles, nicht wahr?“, tröste ich ihn.

„Nimm deine Maske ab“, brüllt er plötzlich.

„Warum sollte ich? Wir haben doch Corona“, antworte ich.

„Eben nicht“, sagt er.

„Wie bitte? Kein Corona mehr? Mist, gerade habe ich sechs Euro für diese hübsche Maske ausgegeben. Mit dem Geld hätte ich drei Tassen Kaffee trinken können.“

„Wir hatten noch nie Corona“, zischt er.

„Wir hatten auch noch nie Corona“, freue ich mich. „Aber unser Nachbar Herr Nöllemeier schon. Er war vier Wochen in Quarantäne.“

„Das stimmt nicht!“, zischt er wieder.

„Den Verdacht hatte ich allerdings auch. Der hat ein bisschen laut gehustet, um die Arbeit zu schwänzen“, gebe ich meinem Nebendemonstranten recht.

„Die Regierung will doch nur alle impfen“, brüllt er böse.

„Hoffentlich haben sie auch bald einen Impfstoff“, gebe ich ihm wieder recht.

„Weißt du, warum sie dich impfen? Um dich unfruchtbar zu machen!“

„Oh, das ist ja klasse! Vor einer Operation habe ich nämlich höllische Angst. Aber meine Frau möchte mich unbedingt kastrieren lassen“, versuche ich ihn aufzuheitern.

„Weißt du auch, wer das Ganze bezahlt? Bill Gates!“

„Das ist aber nett von ihm. Aber was soll er denn sonst tun? Die ganzen Milliarden kann er ja nicht mit ins Grab nehmen.“

„Sag mal, bist du überhaupt Querdenker, ey?“

„Klar! Ich denke den ganzen Tag kreuz und quer!“

„Osman, komm sofort hierher! Was machst du denn da bei den dummen Coronaleugnern?“, höre ich plötzlich meine Frau rumkreischen.

„Eminanim, ich demonstriere, damit Bill Gates meine OP-Kosten übernimmt.“

„Wie bitte? Was sagst du da?“

„Ich sagte, er kann seine Milliarden ja eh nicht mit rübernehmen, nicht wahr, Kumpel?“

„Lügenpresse, Lügenpresse“, brüllt er. „Merkel muss weg!“

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ist Satiriker in Bremen. Er liest seine Geschichten im Radio bei Cosmo unter dem Titel „Alltag im Osmanischen Reich“. Sein Longseller ist der Krimi „Tote essen keinen Döner“ (dtv).

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