Bildungsföderalismus und Sommerferien: Bayrische Extrawürste

Das Rotationssystem der Sommerferientermine ist Bayern und Baden-Württemberg schnuppe. Das regt Brandenburgs Ministerpräsidenten auf.

Eine Schultafel auf der mit bunter Kreide das Wort Sommerferien steht

Dafür gibt es eigentlich eine Regelung: aber da halten sich nicht alle Bundesländer dran Foto: picture alliance/Patrick Pleul/zb/dpa

Es ist schon eine ganz schöne Unverfrorenheit: „Wir haben unseren Bio-Rhythmus mit den Ferien“, hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Ende des Jahres lapidar gesagt, und gemeint hatte er damit das Rotationssystem der Sommerferientermine für die Länder – an der lediglich Bayern und Baden-Württemberg nicht teilnehmen. Das ist schon ganz schön arrogant – und deshalb gut, dass Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Donnerstag auch die Gelegenheit nicht ausließ, dem Kollegen im Süden nochmal dezent darauf hinzuweisen, was er von der bayerischen Extrawurst hält: Nicht viel.

„Für mich ist es aber nicht mehr hinnehmbar, dass zwei Länder darauf bestehen, immer am Ende dran zu sein, während alle anderen rotieren. Die Begründungen dafür sind nicht nachvollziehbar“, hatte Woidke unter anderem der Märkischen Oderzeitung, befragt nach Sinn und Sinn eines föderalen Bildungssystems, gesagt.

Nun ist das Sommerferienproblem zwar eine Diskussion, die stets viel öffentliche Aufmerksamkeit generiert, weil sie die Urlaubsplanungen in sämtlichen Betrieben und Büros dieser Republik determiniert (also auch die betrifft, die keine Kinder haben). Aber die provokante Spitze mit den Sommerferien, auf die Woidke jetzt natürlich auch nochmal eingehen musste, sollte nicht davon ablenken, dass die Debatte über den Bildungsföderalismus eine Wichtige ist.

Beispiel Abitur und damit Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen, nicht ohne Grund das größte Brett in der Diskussion. Inzwischen haben rund 40 Prozent aller Studiengänge in Deutschland einen Numerus Clausus, die Note ist also das entscheidende Auswahlkriterium ist, ob jemand das studieren kann, was er oder sie möchte.

Für mehr Fairness

In Bayern (und einigen anderen Bundesländern) zum Beispiel ist Mathe Pflichtprüfung im Abi – in Berlin nicht. In manchen Ländern können die SchülerInnen zwischen den einzelnen Prüfungsaufgaben wählen, in anderen nicht. Das bayerische Abitur gilt als schwer, worauf man im Freistaat allgemein stolz ist – aber die bayerischen SchülerInnen tröstet das nicht, ihr Abi-Schnitt liegt immer deutlich hinter Ländern wie Berlin (die sich wiederum anhören müssen, sie bekämen das Abi quasi geschenkt).

Also gut, dass Woidke am Donnerstag nochmal dran erinnerte, dass man das Scheitern des Nationalen Bildungsrats – Bayern und Baden-Württemberg waren im November ausgetreten, bevor das im Koalitionsvertrag beschlossene Gremium sich gründen konnte – nicht auf sich beruhen lassen will.

Wenn auch die Werbung, die Woidke für mehr Fairness im Bildungsföderalismus macht, vielleicht nicht die geschickteste war: Die Ost-Länder seien hinsichtlich mehr Vereinbarkeit übrigens „alle einer Meinung“, sagt er. „Auch weil sie aus der DDR heraus gute Erfahrungen gemacht haben.“ Die DDR dürfte jemanden wie Söder kaum überzeugen.

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