Bildung in Berlin: Gemacht und machtförmig
Wissensproduktion und -weitergabe sind unerlässlich, finden aber nicht im luftleeren Raum statt. Einige Anlässe zur kritischen Auseinandersetzung.
W issen, Wissenschaft, Wissensvermittlung. Was daherkommen will als neutral und selbstverständlich, ist gemacht und immer schon machtförmig. Wissen wird produziert und rezipiert und ist zunehmend von der Ökonomie bestimmt – von der Aufmerksamkeitsökonomie und der anderen.
An den Hochschulen – die Berliner Unis sind da keine Ausnahme – zeigt sich das in einer leistungsorientierten Mittelvergabe, in steigenden Drittmittelquoten und in der Exzellenzinitiative. Ein Vortrag von Aktivist*innen aus der Initiative „Lernfabriken… meutern!“ will an der HU die Frage stellen: Woher kommt das Geld für Forschung und Lehre und wie wird es verteilt? (Mittwoch, 9. Juni, 18 Uhr, hier auf Zoom)
Der taz plan erscheint auf taz.de/tazplan und immer Mittwochs und Freitags in der Printausgabe der taz.
Der Vortrag findet im Rahmen der Reihe „Sozialwissenschaftlicher Sommer“ statt, die noch bis zum 30. Juni läuft. Alle weiteren Veranstaltungen in der Reihe sind hier auf der HU-Seite zu finden.
Auch die Schulen gelten gemeinhin als Schlüsselinstitutionen, wenn es um die Überwindung von Armut und Ungleichheit geht – und als Motoren des gesellschaftlichen Fortschritts. Ausfallende Stunden, die schlechte Reinigung und technische Ausstattung werden zwar oft bemängelt, insbesondere während der Pandemie.
Was wird gelehrt, was nicht?
Doch die Ausrichtung der Institution Schule stößt selten auf qualifizierte Kritik. Diese will nun ein Onlineworkshop des emanzipatorischen Bildungskollektivs Re:connæct leisten. Wo und warum „Schule“ der Bearbeitung gesellschaftlicher Probleme im Weg steht und was gelehrt, beziehungweise nicht gelehrt wird, sind hier die Leitfragen. (Donnerstag, 10. Juni, 19 Uhr, Anmeldung und Infos auf reconnaect.de)
Auch die Produktion medizinischen Wissens ist machtförmig. Im April 2020 etwa schlugen zwei französische Forscher vor, Coronaimpfstoffe zuerst an bedürftigen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent zu testen. Ausgehend von diesem drastischen Beispiel soll in einem Onlineworkshop der Naturfreundejugend Berlin den kolonialen Kontinuitäten der pharmakologischen Forschung nachgegangen werden.
Außerdem soll dabei die Aktivistin Watatakalu Yawalapiti zu Wort kommen und über die Coronapolitik des brasilianischen Staates in Bezug auf die Indigenen des Landes berichten. (Samstag, 12. Juni, 11 Uhr, Anmeldung über seminare@naturfreundejugend-berlin.de)
Fundierte Wissensproduktion und -weitergabe sind unerlässlich. Ebenso wenig sollte aber auf die kritische Befragung von angeblich Neutralem und Selbstverständlichem verzichtet werden – jenseits kruder Verschwörungsideologien allerdings.
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