Bewegungsprofil von Carsharing-Kunden

BMW im Sammelfieber

Mit vernetzten Autos lassen sich Bewegungsprofile der Nutzer erstellen. Das scheint auch der an Drive Now beteiligte Konzern BMW zu machen.

Auto im trübem Scheinwerferlicht

Was ist spacig beleuchtet, fährt elektrisch und sammelt Daten? Foto: dpa

BERLIN taz | Kunden des Carsharing-Anbieters Drive Now müssen damit rechnen, dass sich von ihren Fahrten Bewegungsprofile erstellen lassen. Ein entsprechender Fall wurde nun durch ein Gerichtsverfahren bekannt.

Laut einem Bericht des Manager Magazins hat BMW dem Landgericht Köln Daten übermittelt, an Hand derer die Kammer das Bewegungsprofil einer Fahrt rekonstruieren konnte, bei der ein Kunde im vergangenen Jahr einen tödlichen Unfall verursacht hatte. Aus den Daten habe sich unter anderem Strecke und Geschwindigkeiten nachvollziehen lassen.

Drive Now – eine Kooperation von BMW und Sixt – bestritt dem Magazin zufolge, dass die Daten vom Carsharing-Anbieter selbst stammen. Das Gericht habe bestätigt, die Daten von BMW erhalten zu haben.

Eine solche Erhebung dürfte allerdings illegal sein. Nach dem Bundesdatenschutzgesetz ist das Sammeln, Verarbeiten und Nutzen persönlicher Daten nur dann legal, wenn es entweder gesetzlich erlaubt ist oder der Nutzer dem zustimmt. Fragen dazu, welche Daten BMW in seinen Fahrzeugen standardmäßig erhebt und auf welcher rechtlichen Grundlage beantwortete das Unternehmen nicht.

Sie werden als mögliche Nachfolger für Sigmar Gabriel gehandelt. Ob EU-Präsident Martin Schulz und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz die SPD aus der Krise bringen könnten, lesen Sie in der taz.am wochenende vom 23./24. Juli. Außerdem: Ein Dossier zur Türkei. Wie erleben die Menschen in Istanbul die Woche nach dem Putsch und wie tickt Präsident Erdoğan? Und: Franz Herzog von Bayern könnte heute König sein, wäre da nicht 1918 dazwischengekommen. Ein Gespräch mit einem verhinderten Monarchen. Am Kiosk, eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo.

Das Unternehmen erklärte jedoch, wie die Rekonstruktion der Daten möglich geworden sei: Ein speziell in Carsharing-Fahrzeuge eingebautes Modul speichere unter anderem Standortdaten des Autos. Der Carsharing-Betreiber enthalte zu Abrechnungszwecken Orts- und Zeitangaben zu Mietbeginn und -ende. Weitere Daten „werden ausschließlich von der BMW Group und nur im Einzelfall zu konkreten Supportzwecken bei Kundenrückfragen/-beschwerden oder technischen Problemen abgerufen“, so BMW gegenüber der taz.

In dem jetzt bekanntgewordenen Fall habe man Datensätze des Carsharing-Anbieters – der die Identität des Kunden kennt – und des Fahrzeugs zusammengeführt „und daraus ein personenbezogenes Bewegungsprofil rekonstruiert“, heißt es in der Antwort. Das Unternehmen betonte jedoch, keine Bewegungsprofile zu erheben oder zu speichern.

Von Beleuchtung bis CDs

BMW ist bereits in der Vergangenheit damit aufgefallen, eine Reihe von Fahrdaten zu sammeln, mit denen sich auch Nutzungsprofile erstellen lassen. So veröffentlichte etwa der ADAC im Mai die Ergebnisse einer Untersuchung, bei der Technik-Experten unter anderem den BMW 320d und das Elektroauto BMW i3 unter die Lupe genommen hatten.

Das Ergebnis: Der BMW 320d speicherte unter anderem die Betriebsstunden der Fahrzeugbeleuchtung, die Anzahl der eingelegten CDs und DVDs, die Anzahl der automatischen Gurtstraffungen sowie die Maximal-Drehzahl des Motors samt Kilometerstand – und erlaubt damit Rückschlüsse auf den Fahrstil.

Beim BMW i3 waren es unter anderem die letzten rund hundert Abstellpositionen des Fahrzeugs sowie die gewählten Fahrmodi. Bei dem Elektroauto werde ein Teil der von den Testern gefundenen Daten automatisch nach jedem Abschalten der Zündung und dem Abschließen des Autos übermittelt. Andere Hersteller sind allerdings nicht datenschutzfreundlicher: Auch die Mercedes B-Klasse und der Renault Zoe erheben laut der Untersuchung sensible Daten.

„Die Verbraucher brauchen Wahlfreiheit, sie sollten auch nein sagen können“, kritisiert Christian Buric vom ADAC die Praxis der Hersteller, Daten zu speichern, ohne die Nutzer ausdrücklich darüber zu informieren. Als der Verband sich bei der Auswertung der Studie mit den Konzernen in Verbindung gesetzt habe, hätten die in der Regel überhaupt nicht begründen können, wofür sie die Fahrdaten eigentlich erheben. Buric rät Drive-Now-Kunden nun, bei beiden Unternehmen nachzufragen, welche Daten gesammelt werden und damit Druck auszuüben.

Besser hat es da Nordrhein-Westfalen. Das Land hat im vergangenen Jahr begonnen, seinen Fuhrpark an Streifenwagen für die Polizei umzustellen – auf den BMW 318d. Auch diese Fahrzeuge sammeln Daten über das Fahrverhalten, zumindest normalerweise. Bei den Streifenwagen ist das laut einer Anfrage von Netzpolitik.org nicht der Fall – es sei vertraglich vereinbart, dass BMW die entsprechende Funktion deaktiviert.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de