Bewegung beim BER

Endlich wieder so richtig fertig

Vorsichtshalber bleibt es noch im Konjunktivischen: Möglicherweise eröffnet der BER eventuell vielleicht bald. Ein Wochenkommentar.

Der Berliner Großflughafen BER

Kurze Zeit vielleicht nur noch, dann könnte man möglicherweise hier abheben… Foto: dpa

Etwas befremdlich anzusehen waren diese Woche die neidischen Blicke nach China. Denn dort hat die Regierung mal eben nach nur vier Jahren Bauzeit den größten Flughafen der Welt hochgezogen. Und sich dann bei der offiziellen Eröffnung über die etwas schleppende und bis dato dreizehnjährige Bauzeit in Berlin lustig gemacht. Deutschland als globale Lachnummer? Das geht natürlich nicht. Beschämend für Deutschland sei das mit Blick auf den BER, kommentierte die Welt.

Ein etwas abstruser Befund angesichts des Umstands, dass der chinesische Großflughafen mit mehr als mit 15 Milliarden Euro mehr als doppelt so teuer war wie der BER und für das chinesische Hauruck-Großprojekt mal eben 20.000 Menschen ihr Zuhause räumen mussten und viele Bauern – immerhin gegen Entschädigungen – ihre Felder und Lebensgrundlage verloren. Von Arbeitsrechten, Umweltvorschriften, Brand- und Klimaschutz mal ganz zu schweigen. Aber immerhin bleibt von der Woche eine Erkenntnis, die wir dem BER zu verdanken haben: Wenn es um Prestigeprojekte und Nationalstolz geht, wünscht sich die Welt offenbar autoritäre Verhältnisse.

Dabei gibt es zumindest im Konjunktiv diese Woche viel Gutes von Berlins bekanntester Baustelle zu berichten: Dem Vernehmen nach nämlich seien diese Woche die komplizierten TÜV-Prüfungen, die sogenannten Wirkprinzipprüfungen, der verschiedenen elektronischen Systeme im Zusammenspiel abgeschlossen. Erstaunlich schnell und reibungslos seien die Tests verlaufen, wie zu hören war. Im Nachgang der Tests wird es wohl noch ein paar Nachbesserungen und wiederum deren technische Abnahme geben, aber man sei im Zeitplan. Und der TÜV soll im ersten Quartal des nächsten Jahres mit allen Nachprüfungen durch sein.

Zumindest im Konjunktiv diese Woche viel Gutes von der BER-Baustelle

„Der Flughafen wird immer fertiger und fertiger“, hat der gescheiterte Flughafenchef Hartmut Mehdorn einmal unfreiwillig komisch gesagt. Mittlerweile dürfte er recht haben: Denn der von seinem Nachfolger Engelbert Lütke Daldrup mantraartig wiederholte Eröffnungsmonat Oktober 2020 steht. Welcher Tag es denn genau wird, darüber darf weiter spekuliert werden. Der Tagesspiegel las gerade bereits den 4. Oktober 2020 aus dem Kaffeesatz – denn ab diesem Termin sollen laut Verkehrsbetrieben die S-Bahnen in höherer Schlagzahl in Richtung Großflughafen rollen.

Mit Kolportagen, Indizien und Konjunktiv mag also noch ein bisschen weiter spekuliert werden. Zumindest bis Ende November, denn dann will der Flughafenchef endgültig bekannt geben, wann der wirklich-echte-finale Eröffnungstermin denn nun ist. Die taz jedenfalls legt sich hiermit schon jetzt fest: Bis zu den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking können Berliner*innen vom Flughafen BER bestimmt irgendwie bis zum Flughafen Peking PKX fliegen.

Einmal zahlen
.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben