Besetzung an der FU

Klimapolitik aus dem Schlafsack

KlimaaktivistInnen besetzen einen Hörsaal der FU. Die Unileitung zeigt sich bislang kooperativ.

Ein Transparent mit der Aufschrift "FU for Future" und dem Logo von Fridays for Future hängt im Flur eines Gebäudes der FU. Daneben sieht man eine Sitzecke mit Sofas und Stühlen, umringt von Plakaten und Bannern. AktivistInnen sitzen auf den Sofas.

Man muss sich nur einrichten: Auch die FU kann gemütlich sein Foto: Björn Brinkmann

An der Freien Universität haben AktivistInnen von Fridays for Future (FFF) am Montagabend einen großen Hörsaal besetzt. Bis Donnerstag wollen sie im Rahmen einer verlängerten studentischen Vollversammlung klimapolitische Forderungen an die Universitätsleitung formulieren und Interessierte von innerhalb und außerhalb der FU über die Klimakrise informieren.

Die Aktion ist Teil der von FFF ausgerufenen Klima­protestwoche: Deutschlandweit soll an rund 50 Hochschulen der normale Lehrbetrieb bestreikt werden, wenn die Veranstaltungen nicht die Klimathematik in ihr Programm integrieren.

Das FU-Präsidium zeigte sich bisher kooperativ und verwies auf vergangene Solidarisierungen mit FFF. In den letzten Jahren hatte die FU wiederholt Besetzungen studentischer Gruppen von der Polizei räumen lassen. „Die Freie Universität engagiert sich in den Themenbereichen Klimaschutz und Nachhaltigkeit bereits seit vielen Jahren mit großem Ernst“, so der Sprecher des Präsidenten Günter M. Ziegler.

Die AktivistInnen relativieren diese Selbstdarstellung: „Die FU ist sicherlich etwas weiter als andere Universitäten“, räumt Dominic Cramer, Mitglied des FU-Kommunikationsteams von FFF, ein. „Aber es reicht eben nicht, ein bisschen weiter zu sein.“ So sei das bisherige Ziel, die Treibhausgasemissionen der Uni bis 2027 um zehn Prozent zu senken, vollkommen ungenügend, müsse Deutschland als Industrienation doch bis 2035 klimaneutral werden.

Noch schnell die Isomatte geholt

„Die Unis sollten hier eine Vorreiterolle einnehmen und das ist mit zehn Prozent bis 2027 schlicht nicht möglich“, erklärt Cramer. Die beiden Hauptforderungen der BesetzerInnen seien daher eine klimaneutrale FU bis 2025, sowie eine paritätische Beteiligung der Studierendenschaft bei der Ausgestaltung dieses Ziels.

„Dass nicht geräumt wird, zeugt sicherlich von der Einsicht der Uni, dass jetzt eben ungewöhnliche Mittel ergriffen werden müssen“, mutmaßt Cramer weiter. „Außerdem besetzen wir eben nicht nur, um zu besetzen, sondern um inhaltlich zu arbeiten.“

Die KlimaschützerInnen wollen die kommenden Tage nutzen, um über konkrete Forderungen an die FU zu beraten, die bei der abschließenden Vollversammlung am Donnerstag beschlossen werden sollen. Die Organisation läuft vor allem über Messenger-Gruppen, Forderungen können aber auch ganz analog über ein Briefkastensystem eingereicht werden. Bis Dienstagmittag waren so bereits über 70 Vorschläge zusammengekommen.

„Ich bin Montag spontan hier hineingeraten“, erzählt Emmi L. während sie es sich auf einem der Sofas gemütlich macht, die die AktivistInnen im Flur vor dem besetzen Hörsaal aufgestellt haben. „Dann bin ich nur noch schnell nach Hause, um Isomatte und Schlafsack zu holen.“ Etwa 30 Personen hätten die Nacht im Hörsaal verbracht. Emmi wird in der Fokusgruppe „Politisches und wirtschaftliches System“ mitarbeiten.

Den Aufruf zur Bestreikung aller universitärer Veranstaltungen, die sich in der laufenden Protestwoche nicht mit der Klimakrise beschäftigen, richte sich dabei nicht gegen die FU oder ihre Dozierenden: „Wir wollen den gesellschaftlichen Diskurs prägen, um einen anderen Umgang mit der Klimakrise zu erreichen“, erläutert Joris Beetz, ebenfalls Mitglied des Kommunikationsteams. „Wir möchten diese Woche allen Menschen die Möglichkeit geben, in diesem Raum etwas zu lernen.“

Einmal zahlen
.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de