Berliner Tierwelt und die CDU: Roter Panda empfängt schwarzen Herrn
CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers füttert einen Roten Panda mit einer grünen Frucht. Und postet Bilder davon. Kann das unpolitisch sein in Zeiten wie diesen?
Der Rote Panda ist so etwas wie der heimliche Star im Berliner Tierpark. Die eigentlich aus Nepal stammenden Bambusfresser sind zwar bei Weitem nicht so bekannt wie ihre schwarzen Namensvetter im Berliner Zoo. Dafür umso süßer, kugeläugiger und „superknuddelig“, wie die Tierexpert:innen vom WWF mal schrieben.
Kein Wunder, denn außer dem Namen und der Hauptnahrung haben die Roten Pandas mit den Schwarzen nichts gemein. Sie haben zwar beide einen asiatischen Migrationshintergrund, aber biologisch verwandt sind sie nicht. Der größere Schwarze Panda gehört zur Familie der Großbären, der kleinere Rote zu den Katzenbären.
Am Wochenende empfing einer der Roten aber dennoch einen Schwarzen: den Spitzenkandidaten der Berliner CDU, Stefan Evers. Dem war das so wichtig, dass er gleich ein paar Fotos von seinem Ausflug nach Berlin-Friedrichsfelde in seinem WhatsApp-Status postete.
Evers ist zurzeit etwas unterbeschäftigt. Zwar hofft er immer noch darauf, von den Grünen und der SPD ins Rote Rathaus gewählt zu werden. Aber die sprechen ja jetzt erst mal mit den Linken. Und freie Zeit verbringt Evers schon immer gern im Tierpark. Er ist bekennender Fan. „Für die Roten Pandas komme ich immer gerne her“, sagte Evers im vergangenen Jahr der Berliner Morgenpost.
Die Roten haben gerade Nachwuchs bekommen, nicht nur politisch, sondern auch im Tierpark. Ende Juni kam ein Junges zur Welt, berichtete der Tierfunk RBB kürzlich.
Aber kann Evers' Aufwartung in hochpolitischen Zeiten wie diesen unpolitisch sein? Auf einem der insgesamt vier Fotos reicht der Christdemokrat dem Roten Panda die Hand. Er trägt dabei einen AfD‑blauen Handschuh. Geht es noch bedeutsamer? Ja. Denn auf einem weiteren Foto ist zu sehen, dass der Schwarze dem Roten eine grüne Frucht zum Fressen reicht, die zudem aufgespießt ist.
Will er verklausuliert andeuten, dass die SPD ein paar Punkte der Grünen schlucken soll, damit es doch noch für Schwarz-Grün-Rot reicht? Oder geht es hier allegorisch um etwas ganz anderes? Steht der Rote Panda doch für die Linkspartei. Will Evers sich per Tierbild mit Eralp gut stellen? Die Mutter des Neugeborenen heißt übrigens Rosie. Also wie die Luxemburg. Alles klar?
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert