Berliner Senat will mehr Corona-Tests: Ein bisschen mehr austesten
Die rot-rot-grüne Landesregierung beschließt ein neues Testkonzept und stellt weitere Lockerungen in Aussicht. Corona-Ampel bleibt im grünen Bereich.
In Berlin soll es deutlich mehr Coronatests als bisher geben. Das hat der rot-rot-grüne Senat am Dienstag beschlossen und folgte damit einem Konzept von Gesundheitssenatorin Dilek Kalaycı (SPD). Derzeit stünden wöchentlich rund 58.000 Tests zur Verfügung, von denen aber nur ein Drittel genutzt werde. Neu sei, jetzt auch Menschen ohne Krankheitssymptome zu testen. Flächendeckend mag man aber nicht testen, vielmehr stichprobenartig in Bereichen, wo Abstandhalten schwer oder sogar unmöglich ist: in Kitas, Schulen, Pflegeheimen, Kliniken und auch bei Polizei und Feuerwehr.
Regierungschef Michael Müller (SPD) zog in der Pressekonferenz nach der Senatssitzung zudem eine erste Bilanz der vor einer Woche beschlossenen Corona-Ampel: Übersteigen bei ihr zwei von drei Indikatoren an drei aufeinanderfolgenden Tagen bestimmte Grenzwerte, können Lockerungen wieder passé sein oder bereits angekündigte verschoben werden. Bei allen drei Indikatoren – dem R-Faktor, der besagt, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, der Intensivbetten-Auslastung und der Neuinfektionsrate pro 100.00 Einwohner – zeigte die Ampel am Dienstag laut Müller „Grün“.
Beim R-Faktor allerdings gab es eine deutliche Steigerung gegenüber dem vor einer Woche verzeichneten Wert: Lag der damals bei 0,79, so ist er nun bei 1,07 – nur noch drei Hundertstel unter dem Grenzwert für die Stufe „Gelb“. Bei der Betten-Auslastung und der Zahl der Neuinfektionen hingegen sanken die Werte.
Beim Testsystem tat sich Senatorin Kalaycı nicht leicht, das neue Konzept zu erläutern – was möglicherweise daran liegt, dass es dabei nicht nur einen einzigen Weg gibt und zudem mehrere Arbeitsgruppen inklusive des Virologen Christian Drosten noch festlegen sollen, wie punktuell getestet wird. Zu der Idee einer flächendeckenden Testung sagte Kalaycı: „Wir können nicht 3,8 Millionen Menschen testen – wenn irgendjemand diese Idee hat, muss man ihm den Zahn jetzt ziehen.“ Die Tests sollen freiwillig sein. In Altenheimen können laut Kalaycı dies auch Pflegekräfte übernehmen, „mobile Menschen“ hingegen sollten in ein Testzentrum gehen.
Corona-Ampel steht auf „Grün“
Nachdem es in der vergangenen Woche Kritik von Amtsärzten in den Bezirken an der Corona-Ampel gab, wies Müller nun ausdrücklich darauf hin, dass die Amtsärzte in das neue Konzept eingebunden sein sollen.
Laut Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat die Landesregierung zudem beschlossen, die 14-tägige Quarantäne für aus EU-Staaten und einigen weiteren Ländern Einreisende aufzuheben. Er stellte weitere Lockerungen in Aussicht, die der Senat kommende Woche in zwei Sitzungen besprechen will. Dazu soll die Öffnung von Fitness-Studios und Freiluftkinos gehören. Das sei möglich, „weil die Entwicklung viel positiver ist, als wir das selber noch vor wenigen Wochen eingeschätzt haben.“ Als Entwarnung mochte Geisel das aber nicht gedeutet wissen: „Die Lage ist fragil.“
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert