Berliner Bäderbetriebe

Das Prinzen kriegt ein Dach

Das Kreuzberger Prinzenbad bekommt eine Schwimmhalle, weil mehrere Bäder saniert werden müssen. Sommerbadbetrieb in diesem Jahr schon ab April.

Bald wird es voller im Prinzenbad Foto: dpa

„Geh'n wir ins Prinzen?“ Eine Frage, die man sich bei Regen, Kälte oder gar Schnee irgendwie schlecht vorstellen kann. Schon in einem Jahr könnte das anders sein: Die Berliner Bäderbetriebe (BBB) planen den Bau einer Schwimmhalle auf dem Gelände des wohl berühmtesten Sommerbads der Stadt an der Kreuzberger Prinzenstraße. Wie BBB-Sprecher Matthias Oloew gegenüber der taz bestätigte, wird es sich um eine Interimslösung handeln, mit der die sanierungsbedingte Schließung des Spreewaldbads teilweise kompensiert werden soll.

Das Spreewaldbad am Görlitzer Park, mit seinem Wellenbecken eines der Flaggschiffe der Bäderbetriebe, bedarf dringend einer gründlichen Sanierung. Geschlossen wird das Haus voraussichtlich im Spätherbst oder zum Jahreswechsel 2019/20 – für mindestens zweieinhalb Jahre. Weil die Schwimmhalle Holzmarktstraße im Ortsteil Friedrichshain schon seit vergangenem Oktober wegen statischer Mängel stillgelegt ist und einem Neubau weichen soll, wird das Angebot knapp im Bezirk.

Die Halle, die schon ab dem Spätsommer auf einer Liegewiese im Prinzenbad errichtet werden soll, kommt laut Sprecher Oloew aufgrund der dortigen baulichen Voraussetzungen mittelfristig billiger als eine Tragluftkonstruktion über einem der bestehenden Becken. Eine solche mobile Überdachung wollen die Bäderbetriebe während der kalten Jahreszeit im Kombibad Seestraße aufbauen.

Den vielen Stammgästen an der Prinzenstraße wolle man aber auch nicht zumuten, dass ihr Sportbecken mehrere Wochen zu Ende und Beginn der Saison wegen Auf- und Abbauarbeiten geschlossen werden müsse, so Oloew. Außerdem müsste man im Prinzenbad für eine Traglufthalle etliche Bäume stark zurückschneiden oder sogar fällen.

Rund 60 Millionen Euro wollen die Berliner Bäderbetriebe (BBB) in den kommenden drei Jahren für Sanierung und Modernisierung ausgeben. Möglich wurde das auch dadurch, dass das Abgeordnetenhaus den Bäder-Etat im aktuellen Nachtragshaushalt erhöhte sowie das Eigenkapital des Landesunternehmens aufstockte.

Am meisten Geld fließt nun in drei Großprojekte: das Stadtbad Tiergarten in Moabit, das denkmalgeschützte Paracelsus-Bad in Reinickendorf und eben das Kreuzberger Bad am Spreewaldplatz. Weil auch Mittel in die Sanierung fließen, die der Bund im Rahmen des Kommunalinvestitionsförderungsgesetzes (KInvFG) beisteuert, müssen die Arbeiten möglichst bald beginnen – sonst verfällt die Förderzusage.

"Gute Nachrichten für die Bäder" seien das, so BBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Scholz-Fleischmann, endlich können wir wieder umfassend investieren". Der Finanzbedarf bleibt dennoch groß: Auf rund 170 Millionen Euro beläuft sich der Investitionsstau in den BBB-eigenen Bädern. (clp)

Für die Interimshalle, deren Bau ausgeschrieben werden muss und deren genaue Kosten noch nicht feststehen, wird möglicherweise keine Baugenehmigung nötig sein. Wegen der zeitlichen Begrenzung und der Dringlichkeit eines Schwimmbadangebots für Schulen und Vereine könnte eine sogenannte Bauanzeige ausreichen. „Das muss man noch klären“, so Oloew, „aber wir sind optmistisch, weil alle sehen, dass es den Bedarf nach einer pragmatischen Lösung gibt.“

Fertigpool in Modulbauweise

Bei dem von den BBB favorisierten Hallentyp muss kein Becken ausgehoben, sondern nur eine ebenerdige Bodenplatte gegossen werden. Auf die wird dann, so der Bädersprecher, ein „Fertigpool in Modulbauweise“ gestellt. Mit einer ähnlichen Lösung sei man bei der Schwimm-EM verfahren, bei der in wenigen Tagen ein Becken ins Velodrom an der Landberger Allee eingebracht wurde. Oloew: „Das hat nicht den Komfort eines richtigen Hallenschwimmbads, erfüllt aber alle wesentlichen Funktionen.“ Auch Umkleiden werden in dem temporären Gebäude vorhanden sein.

Wie die „Prinzen“-BesucherInnen den temporären Bau finden, wird sich zeigen – etwas weniger Platz wird es ja auf dem Gelände geben. Andererseits dürfen sich die Badegäste in diesem Jahr auf einen früheren Saisonstart freuen: Solange es keinen späten Wintereinbruch gibt (man weiß ja nie), öffnet das Bad schon Mitte April seine Tore. Weil auch in vielen Bädern anderer Bezirke gearbeitet wird, soll das insgesamt ein wenig Entlastung bringen.

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