Berlinale Star-Album (1): Die A-Klasse Präsidentin
Tilda Swinton ist Jury-Präsidentin der Berlinale 2009.
Diese fast weiße Haut, die durch eine dieser Blusen schimmert, in denen man immer schwitzt. Pergamentpapier und Polyester. Keine trägt das würdevoller - und kühler - als Tilda Swinton. Die 48-Jährige ist die zweitdurchscheinendste Schauspielerin nach Cate Blanchett, eine der A-Klasse: androgyn, aristokratisch und mit Alabasterhaut zu rotem Haar. Groß ist sie, überragend.
Das sind Äußerlichkeiten, aber die sind eben nicht zu übersehen. Und in ihre Rollen, sagt die diesjährige Präsidentin der Berlinale-Jury, schlüpft sie über den Körper. Die Haut, die Hülle muss sie sich vorstellen, erfühlen. Erst dann kann sie einen Charakter spielen. Meist macht sie das so, dass einen fröstelt. Als Anwältin in "Michael Clayton", wo sie ihre Polyesterbluse auf der Toilette mit dem Händetrockner schweißfleckenfrei zu bekommen versucht. Dafür gab es den Oscar. Oder momentan in "Der seltsame Fall des Benjamin Button", in dem sie eine Laison mit Brad Pitt hat.
Mainstreamkino, werfen ihr manche vor. Lange galt Swinton als die Königin des Independentfilms, als Muse des Regisseurs Derek Jarman. Mit ihm stellte sie 1986 "Caravaggio", ihren ersten Film auf der Berlinale, vor. 14 waren es seitdem. Sie kennt Berlin - und das Business. "Infiltrationsprogramm" nennt sie ihr Engagement in Hollywood. Als Spionin mit Eigensinn und deftigem Humor schwebt sie hin und wieder dort ein, diese Mischung aus Insekt und Elfe - in Polyester.
Der filmreife Satz: "Es braucht einige ungewöhnliche Männer, damit eine Situation wie diese klappt." Tilda Swinton über ihre langjährige Dreiecksbeziehung mit Freund (30) und Ehemann (69)
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