Berlinale-Jurypräsident Jeremy Irons

Fauxpas der Festivalveranstalter

Irons hat sich wiederholt frauenfeindlich und homophob geäußert. Ihn zum Vorsitzenden der Berlinale-Jury zu wählen, ist falsch.

Jeremy Irons steht vor einer Wand

Jeremy Irons bei der Premiere des Films „Painters and Kings of the Prado“ im Dezember 2019 Foto: David Jar/alterphotos/imago-images

Bei der Berlinale vor zwei Jahren war #MeToo das dominierende Thema. Die Bewegung war erst wenige Monate, die Vorwürfe an den deutschen Regisseur Dieter Wedel wegen sexueller Übergriffe waren erst wenige Woche alt. Allen in der Branche schien klar zu sein: Jetzt muss sich etwas ändern. Und es gab Veränderungen.

In Veranstaltungen wurde über die Probleme der Branche diskutiert, die Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt, Themis, wurde ins Leben gerufen und die Frauenquotierung der Filme deutlich erhöht. Doch nun, kaum einen Monat bevor das Filmfestival in Berlin wieder an den Start geht, scheint das schon wieder fast vergessen.

Letzten Freitag verkündete das renommierte Festival, dass Jeremy Irons in diesem Jahr Präsident der Internationalen Jury ist. Der britische Film- und Theaterschauspieler fiel in den vergangenen Jahren immer wieder durch – höflich ausgedrückt – kontroverse Meinungsäußerungen auf. Einmal ging es um Abtreibung, ein andermal um die Ehe für alle oder sexuelle Belästigung von Frauen.

In einem Interview mit dem Radio Times sagte er 2011, dass eine Frau damit umgehen könne, wenn ein Mann seine Hand auf ihren Po lege. Das sei Kommunikation. Außerdem vertrat er die Ansicht, dass Frauen wegen solcher Vorfälle nicht vor Gericht gehen sollten. Jahre vorher schon sagte er: „Ich liebe Frauen und habe die Angewohnheit, sie liebevoll anzufassen.“

In einer aktuellen Stellungnahme der Festivalleitung lässt der 71-Jährige nun verkünden, er bedauere seine Aussagen. Sie repräsentierten „weder seine Denkweise noch seine Haltung“. Trotzdem bleibt die Frage, welches Bild von dem Festival die Verantwortlichen mit der Wahl von Irons zum Jurypräsidenten vermitteln wollen.

Wäre ihnen der notwendige Wandel in der Filmbranche wirklich wichtig, hätten sie keinen Juryvorsitzenden gewählt, der in der Vergangenheit sexuelle Belästigung verharmlost hat, sondern eine Person, die mit Entschlossenheit für eine gewaltfreie und gleichberechtigte Branche und Welt kämpft.

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Redakteurin für Gesellschaft und Medien, Schwerpunktthemen: Feminismus, Netzpolitik, Popkultur, seit 2017 bei der taz

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