Bergbaukatastrophe in DR Kongo: Erneut Hunderte Tote bei Grubenunglück befürchtet
Die Coltanmine Rubaya in Kongos Rebellengebiet bleibt eine Todesfalle. Wenige Wochen nach tödlichen Erdrutschen werden erneut Menschen verschüttet.
Erneut hat es in der größten Coltanmine der Demokratischen Republik Kongo einen verheerenden Erdrutsch gegeben. Mindestens 200 Menschen sind nach Berichten lokaler Medien am Dienstag in einer Grube der Mine Rubaya im ostkongolesischen Rebellengebiet verschüttet worden. Erst am 28. Januar hatten heftige Regenfälle in Rubaya zu Erdrutschen mit mehreren Hundert Toten geführt.
Gegen 15.30 Uhr am Dienstag stürzte laut einem Bericht des UN-finanzierten Radiosenders Radio Okapi, eine der wenigen neutralen Medien der DR Kongo, die Grube Gasasa rund fünf Kilometer von der Stadt Rubaya ein. Das Gebiet sei nach mehreren Wochen Regen instabil gewesen. In der Nähe hatten bereits die tödlichen Erdrutsche von Ende Januar stattgefunden, deren Opferzahl mittlerweile mit über 400 angegeben wird.
Die Schätzung von über 200 Toten des neuesten Unglücks beruht auf der bekannten Zahl von Bergleuten, die sich üblicherweise tagsüber in Gasasa aufhalten. Dazu kommen Kleinhändler und andere Personen.
Rubaya liegt seit zwei Jahren im Gebiet der M23-Rebellen (Bewegung des 23. März), die im Osten der DR Kongo mit ruandischer Hilfe gegen die Regierung kämpfen. Es ist Kongos wichtigstes Fördergebiet für die Erzmischung Coltan (Colombit-Tantalit), aus der das in der globalen Elektronikindustrie begehrte Tantal gewonnen wird. Die seit Jahrzehnten per Handarbeit gewonnen Erze aus Rubaya werden über die Rebellenhauptstadt Goma und das Nachbarland Ruanda Richtung Asien verkauft.
Kongos Regierung wirft Ruanda vor, das kongolesische Tantal als ruandische Produktion zu vermarkten und damit Rubaya illegal auszuplündern, um den M23-Krieg zu finanzieren. Sie hat ihrerseits die Mine US-Investoren versprochen und ist nun bestrebt, das Gebiet zurückzuerobern.
Westlich von Rubaya finden seit einiger Zeit schwere Kämpfe zwischen den M23-Rebellen und Regierungstruppen sowie lokalen Milizen statt. Vergangene Woche war in diesem Zusammenhang M23-Militärsprecher Willy Ngoma bei einem gezielten Drohnenangriff getötet worden. Diese Woche hat sich die Regierungsarmee aus mehreren Ortschaften zurückziehen müssen.
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