Berater von Österreichs Kanzler in Haft

Der geschasste Spindoktor

Tal Silberstein berät erfolgreich Politiker in aller Welt. Jetzt wurde er in Israel unter dem Vorwurf der Geldwäsche festgenommen.

Porträt Silberstein

Tal Silberstein nach seiner Festnahme in Israel Foto: dpa

Mit einem dürren Pressekommunqué trennten sich Österreichs Sozialdemokraten (SPÖ) am Montag von ihrem Wahlkampfberater Tal Silberstein. Einer der international umtriebigsten Spindoktoren war kurz vorher mit drei Geschäftsmännern in Israel festgenommen worden. Der Vorwurf: Bestechung und Abschluss von Scheinverträgen zum Zweck der Geldwäsche.

Die israelischen Behörden gehen unter anderem dem Verdacht nach, Silberstein und der israelische Milliardär Beny Steinmetz hätten den Präsidenten von Guinea bestochen und im Gegenzug eine milliardenschwere Diamantenmine erhalten. In Rumänien wird seit Januar 2017 wegen einer Immobilienaffäre zum Schaden des Staates ermittelt. Der Schaden beträgt je nach Quelle 145 bis 160 Millionen Euro.

Auch für seine Beratungen ließ sich der Experte nicht schlecht bezahlen. Die SPÖ hat ein Jahressalär von 500.000 Euro nicht dementiert. Kanzler Christian Kern hat ihn gleich nach seinem Antritt im Mai 2016 engagiert. Jetzt sollte Silberstein die Nationalratswahlen am 15. Oktober retten.

Die Erfolgsquote von Silberstein ist beachtlich. 17 Staatsoberhäupter und Premiers stehen auf seiner Klientenliste. Der 1969 geborene Tal Silberstein studierte an der Universität von Tel Aviv und fiel politisch erstmals durch sein Engagement für die Friedensbewegung Dor Schalem Doresch Schalom (Eine ganze Generation fordert Frieden) auf. In den 1990er Jahren setzte er sich für die Umsetzung der Osloer Friedensverträge ein. Als Politberater machte er in Stanley Greenbergs PR-Unternehmen GCS Karriere.

In seiner Heimat hat sich Silberstein bei den Konservativen nicht nur wegen seiner Kritik an der Okkupationspolitik und seiner Tätigkeit für Arbeitspartei-Chefs unbeliebt gemacht. Er wird auch als Drahtzieher einer angeblichen Verschwörung des US-Milliardärs George Soros gegen Premier Benjamin Netanjahu 2011 genannt. Medien in Rumänien und Botswana sehen Silberstein als Agenten des Geheimdienstes Mossad. Das rechte Portal Judas Watch, das „antiwestliche Verräter, Agitatoren und Subversive“ dokumentiert, führt Silberstein auf seiner Watchlist.

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