: Bauarbeiter suchen Silva y Velazquez
Madrid (taz) – Madrid sucht einen seiner berühmtesten Söhne, den Maler Diego de Silva y Velazquez. Seit knapp 200 Jahren fehlt vom Vordenker der modernen Malerei jede Spur. Doch seit letztem Wochenende sind Bauarbeiter dem Hofporträtisten auf den Fersen. Velazquez soll sich im Untergrund der spanischen Hauptstadt versteckt halten.
Auf dem Platz Ramales stemmen Blaumänner mit Preßlufthämmern ein 16 Quadratmeter großes Loch ins Pflaster. Zu Velazquez' Lebzeiten stand dort die Kirche San Juan, in deren Krypta der Maler 1660 beigesetzt wurde. Und wäre Spanien nicht Anfang des 19. Jahrhunderts den Franzosen in die Hände gefallen, könnten ihn seine Verehrer noch heute in seiner Nische besuchen. Doch der wegen seines Hangs zu starken Getränken „Sepp Flasche“ genannte Bruder von Napoleon bestieg den Thron. Große Plätze hieß dessen Programm, San Juan wich dem Platz Ramales, und Velazquez galt für immer verschollen. Seit Straßenbauarbeiter nun zufällig auf Teile der Krypta stießen, läßt das Rathaus den Maler wieder suchen.
Rainer Wandler
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