Ausländerfeindliche Unruhen in Südafrika: Autos und Geschäfte angezündet
In Johannesburg und Durban kommt es zu Ausschreitungen bei Protesten gegen Zuwanderung. Fake News über ein Gerichtsurteil waren der Auslöser.
Ausgebrannte Fahrzeuge, verwüstete Geschäfte und verängstigte Migranten: Wieder einmal sind ausländerfeindliche Proteste in Südafrika eskaliert. Am vergangenen Donnerstag wurden in Durban sowie im größten Johannesburger Township Soweto mindestens 30 Autos angezündet und Läden ausgeplündert; in Durban gingen auch ein Gasthof und eine Lagerhalle zum Teil in Flammen auf.
Die Demonstrationen sind ein Ausdruck verbreiteten Frusts einheimischer Südafrikaner über anhaltend hohe Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität, gekoppelt mit der Wahrnehmung, dass Zuwanderungsgesetze nicht durchgesetzt werden. Musa Hlongwa, Präsident der ausländerfeindlichen Bewegung „United South Africa“, sagt: „Südafrikaner haben genug davon, im Krankenhaus Schlange zu stehen und sich um Schulplätze mit illegalen Einwanderern zu streiten.“
Die Bewegung „March und March“ der Aktivistin Jacinta Ngobese-Zuma verlangte straffe Grenzkontrollen und die Massendeportation von Migranten ohne regulären Status. Sie organisierte bereits am 30. Juni teils gewaltsame Proteste in diesem Sinne.
„Der 30. Juni hatte nie mit Gewalt zu tun, er sollte nicht das Land zum Stillstand bringen und niemandem schaden“, sagt Ngobese-Zuma. Aber die ausländerfeindlichen Proteste verleiteten in den vergangenen Monaten über 160.000 Menschen zur Flucht aus Südafrika, richteten immensen ökonomischen Schaden an und versetzen viele Menschen in Angst; sie beschädigten Südafrikas Image in anderen Ländern Afrikas.
Nigeria sagt: Südafrika ist nicht sicher
Erst im September evakuierte Nigeria erneut 33 Landsleute aus Südafrika. Die nigerianische Regierung sagte, die Lage von Einwanderern in Südafrika habe sich nicht verbessert. Außenministerin Bianca Odumegwu-Ojukwu nannte namentlich die Ermordung der Nigerianer James Uchechukwu Nwankwo und Bishop Taiwo Michael Fakunle.
Nigerias Parlament hat offizielle Besuche in Südafrika ausgesetzt und boykottiert südafrikanisch finanzierte Aktivitäten. Der Gouverneur des Bundesstaates Enugu, Peter Mbah, veranstaltete im September einen festlichen Großempfang für 77 aus Südafrika nach Nigeria zurückgebrachte und aus Enugu stammende Familien und schenkte jeder Familie eine Million Naira (670 Euro).
Ein Auslöser der jüngsten Gewalt in Südafrika war Falschinformation über ein Urteil des Verfassungsgerichts, das den Zugang von Asylsuchenden zum Asylsystem regelte. Es wurde behauptet, das Urteil bedeute automatische Asylgewährung oder gar automatischen Aufenthalt bei Antrag, aber das stimmt nicht, wie die Regierung klarstellte.
Regierungssprecher William Baloyi sagt, die Behörden seien über die neue Gewalt tief besorgt. Polizeigeneraloberst Puleng Dimpane warnte: „Die Verantwortlichen für Gewaltakte werden identifiziert, untersucht und bei ausreichender Beweislage verhaftet und bestraft.“
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