Aus für Antidiskriminierungsberatung: Der Bund ist schuld
Brandenburgs Landesregierung erklärt, warum die Antidiskriminierungsberatung des Landes schließen muss. Der Bund habe die Co-Finanzierung eingestellt.
Foto: dpa
Nach der Kritik am Aus für die Antidiskriminierungsberatung des Landes Brandenburg hat die Landesregierung die Entscheidung erklärt. „Zusammengefasst liegt der Grund also im Wegfall der Bundesmittel“, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Dass es keine Bundesmittel mehr geben solle, sei eine Entscheidung der Bundesregierung. Bisher hatte der Bund demnach einen Großteil der Kosten getragen.
Wegen der Schließung der Beratungsstelle hatte es von mehreren Seiten deutliche Kritik gegeben. „Menschen, die in Brandenburg wegen einer Behinderung, ihres Alters, Geschlechts oder ihrer sexuellen Identität benachteiligt werden, haben ab heute keine unabhängige Fachberatung mehr“, sagte Birgit Peter, Leiterin der Antidiskriminierungsberatung Brandenburg. Die Landesregierung habe es versäumt, „diese wichtige Unterstützung zu sichern“.
„Wer Diskriminierung erlebt, braucht Schutz, Unterstützung und verlässliche Strukturen“, fügte Judith Porath, Geschäftsführerin des Trägervereins Opferperspektive, an. Das Aus für die allgemeine Antidiskriminierungsberatung bedeute einen „massiven Rückschritt“ für die Gleichstellung und soziale Gerechtigkeit im Land Brandenburg. (dpa)
Brandenburgs Gesundheitsministerin Britta Müller (parteilos) hatte die Entscheidung, die Stelle wegfallen zu lassen, zuletzt ebenfalls erklärt. „Wir hätten die Kofinanzierung für dieses Jahr sichergestellt, das wären 25.000 Euro gewesen“, sagte sie dem Rbb. „Aber wenn die Bundesmittel nicht kommen, können wir nicht 260.000 Euro alleine bezahlen. Das ist in der momentanen wirtschaftlichen Lage so nicht möglich.“
Seit 2009 leistete die Antidiskriminierungsberatung professionelle Beratung und Unterstützung für Menschen, die Diskriminierung erleben. Zunächst war das Angebot auf Fälle rassistischer Diskriminierung beschränkt. Ab 2023 wurde die Stelle auf alle Diskriminierungsmerkmale des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes ausgeweitet.
Die Engagierten stärken
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert