Aus dem Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Er ist da, auch wenn er fehlt
Gianni Infantino ist jetzt im großen Klub der Zehner. Das bewegt ihn. Auch das Treffen mit den WM-Schiris lässt ihn nicht kalt. Aber war da nicht was?
10. Juni 2026
E s ist der Tag vor dem Eröffnungsspiel der besten Fußball-WM aller Zeiten. Die Zehn in diesem Datum macht mich nachdenklich. Denn es ist eine großartige Zahl. Zehn. Das ist Maradona, das ist Pelé, das ist Messi. Zehn, das bin nun auch ich, selbst wenn ich als Spieler die Neun auf dem Rücken getragen habe. Seit zehn Jahren darf ich nun schon die Geschicke des Fußballs leiten. Jetzt bin ich die Zehn. Es ist wie ein Traum. Donald Trump nennt mich „König des Fußballs“. Und er hat ja recht.
So wie Diego Maradona recht gehabt hat. „El pibe de oro“, der Goldjunge, wie ich ihn immer genannt habe. Er hat mich erst nicht verstanden. Dann hat er mich geliebt. Nicht umsonst heißt es in dem wunderbaren Buch, das ich über die ersten 10 Jahre von Gianni Infantino bei der Fifa habe schreiben lassen: „Brillante Köpfe können manchmal kompliziert sein, aber Brillanz verbindet.“ Ich sage das in der vollen Gewissheit, dass beim Eröffnungsspiel zwischen den wunderbaren Mannschaften aus Mexiko und Südafrika alles so funktionieren wird, wie sich das Milliarden Menschen überall auf dem Globus wünschen.
Bild: Rattelschneck
Gianni Infantino ist immer am Ball. Überall. Bei der Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA natürlich erst recht. Da kommt niemand mehr hinterher. Außer der Fifa-Präsident selbst. Vielleicht. Die taz hat Zugang gefunden zu seinem geheimen Tagebuch. Alle Tagebucheinträge finden Sie hier.
Es wird einen Schiedsrichter geben, der anpfeifen wird und, wenn alles gut geht, und was sollte nicht gut gehen, wird es der gleiche Schiedsrichter sein, der mit einem Stoß in seine Pfeife – und wir haben natürlich die besten Pfeifen der Welt – das Spiel beenden wird. Beim Schreiben dieses Satzes sind meine Gedanken in Miami. Dort habe ich am Montag die Schiedsrichter in ihrem Vorbereitungscamp auf die WM besucht. Es war eine großartige Begegnung mit großartigen Menschen. Wir haben die Schiedsrichter mit flamingofarbenen Trikots ausgestattet, um der Stadt Miami und ihren wundervollen Menschen Tribut zu zollen. Und unser oberster Schiedsrichter Pierluigi Collina hat sogar die gleiche Frisur wie ich getragen. Um mir Tribut zu zollen? Es war eine große Ehre für mich. Grazie, caro amico! Gäbe es Rückennummern für Schiedsrichter, ich würde dir die Zehn verpassen.
Jetzt lese ich, dass bei unserem Treffen mit den Schiedsrichtern jemand nicht da war, der hätte da sein sollen. Auch wenn das so war, so hat er nicht gefehlt. Denn in Gedanken waren wir bei ihm. Und er bei uns. Denn er gehört zu uns, egal, wo er ist. Fußball hat schon immer die Welt vereint, auf dem Platz und in Gedanken. Dafür hat sich unser Freund Omar auch bei uns ganz offiziell in einer Stellungnahme, die wir für ihn aufgesetzt haben, bedankt. Er kann nun die Weltmeisterschaft von zu Hause aus in Somalia verfolgen. Und was gibt es Schöneres für einen Fußball-Fan? Denn das sind wir ja schließlich alle: Fußball-Fans.
Sogar ich.
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