Aus Le Monde diplomatique: Hinter den Mauern von Amazon

In der Krise boomt der Online-Handel. Logistikzentren entpuppen sich als Infektionsherde und Gewerkschaften kämpfen für Schutzmaßnahmen.

Ein Mann hält eine Gesichtsmaske in die Kamera auf der steht: Fuck Amazon

Amazon schützt seine Mitarbeiter unzureichend, dieser Geschäftsmann aus den USA kann helfen Foto: Robyn Beck/afp

Wie verschafft man sich in diesen Zeiten der Ausgangsbeschränkungen eine Gymnastikmatte, Liegestühle oder Knetmasse, um die Kinder zu beschäftigen? Für Millionen Menschen, die jetzt ans Haus gebunden sind, hat die Antwort auf diese Frage sechs Buchstaben: Amazon.

Die Lage ist paradox. Überall auf der Welt werden Fabriken geschlossen, haben Büchereien, Sportgeschäfte, Fachmärkte die Läden dichtgemacht. Händler, die gegen die Schließung verstoßen, müssen hohe Bußgelder zahlen. Aber am Rande der Großstädte gibt es Orte, wo sich über tausend Personen gemeinsam einschließen: die Logis­tik­lager. Ende März 2020 laufen die Plattformen der großen Handelsketten, die Paketzentren und Lagerhäuser des Onlinehandels auf Hochtouren.

Giampaolo Meloni, Mitglied des italienischen Gewerkschaftsbunds CGIL am wichtigsten Amazon-Standort in Italien Castel San Giovanni in der Region Emilia-Romagna, fasst die Lage so zusammen: „Ganz einfach: In meinem Amazon-Lager war noch nie so viel los!“ In Frankreich übertraf in der Woche zwischen dem 2. und 8. März der Zuwachs der Onlinegeschäfte diejenigen im Einzelhandel um ein Vierfaches – trotz der Hamsterkäufe. Seitdem hat sich der Trend bestätigt – und der Amazon-Konzern, auf den gewöhnlich 20 Prozent der Onlinekäufe der Franzosen entfallen, profitiert am meisten davon.

„Was ich seit Beginn der Krise in meinem Lager bei Mailand sehe, verstößt gegen alle guten Sitten“, sagt Antonio Bandini, CGIL-Gewerkschaftler in der Lombardei. „Im Gegensatz zu dem, was Amazon behauptet, liefern wir den Italienern nur wenige wirklich lebenswichtige Güter. Was sehe ich denn in den Einkaufswagen? Nagellack, Schaumstoffbälle, Sexspielzeug.“

Fouzia Benmalek, Vertreterin des französischen Allgemeinen Gewerkschaftsbunds CGT vom Amazon-Lager bei Montélimar (Département Drôme), bestätigt: „Mein Lager ist kein Standort für Lebensmittel; darauf entfallen bei uns weniger als 5 Prozent. Autofelgen, Videospiele, DVDs. In den rund zehn Einkaufswagen, die ich gestern stichprobenartig angesehen habe, war nicht ein einziges lebenswichtiges Produkt.“ Am Standort Sevrey (Département Saône-et-Loire) weist CGT-Vertreter An­toine Delorme darauf hin: „Wir sind auf Schuhe und Kleidung spezialisiert!“ Ähnlich Verdi-Gewerkschafter Chris­tian Krähling: „Bei mir in Bad Hersfeld ist es genauso. Aus meinem Lager werden hauptsächlich Kleider, Schuhe und Spirituosen verschickt.“

Ansteckung bei der Arbeit

Um die historisch einmalig hohe Nachfrage zu befriedigen, braucht es viele zupackende Hände. Am 16. März kündigte Amazon an, 100 000 Zeitarbeiter allein in den USA einzustellen. Zusammen mit den 800 000 Festangestellten des Konzerns und den zahlreichen befristeten Arbeitskräften sind weltweit knapp 1 Million Menschen bei dem Unternehmen unter Vertrag. Mick Rix, der für Amazon zuständige Koordinator der britischen Gewerkschaft GMB, sagt: „Im Vereinigten Königreich arbeiten die meisten Angestellten momentan 50 Stunden in der Woche, Arbeitstage von 13 Stunden sind keine Seltenheit. Die Anzahl der Überstunden schnellt rasant in die Höhe.“

Am 1. März bestätigte Amazon offiziell zwei erste Corona-Fälle unter seinen Beschäftigten in Italien. Am 3. März gab es den ersten Fall in den USA. Im Laufe des Monats stieg die Anzahl der Infizierten in den italienischen, spanischen, französischen, deutschen und US-amerikanischen Warenlagern weiter, ohne dass der Onlinehändler die meisten davon bekannt gab.

In San Fernando de Henares, einem Vorort von Madrid, macht Douglas Harper, Generalsekretär des spanischen Gewerkschaftsverbands CCOO, seinem Ärger Luft: „Am 19. März gab es bei uns am Standort vier bestätigte Fälle. In Wirklichkeit treten bei über hundert Arbeitnehmern Symptome auf, wie sie für eine Infektion mit dem Coronavirus typisch sind. Alle diese Personen hatten an ihrem Arbeitsplatz Kontakt mit den vier positiv Getesteten.“

Angesichts der dringlichen Lage forderte die CCOO die sofortige Schließung des Lagers und dessen vollständige Desinfektion. Amazon weigerte sich. Harper sagt: „Anstatt eine Untersuchung im Lager durchzuführen, hat das Unternehmen weitere Zeitarbeiter eingestellt, um die erkrankten Mitarbeiter zu ersetzen. Manche von ihnen konnten nur einige Tage arbeiten, denn kaum waren sie vor Ort, hatten auch sie Symptome.“

Amazon ergreift keinerlei Schutzmaßnahmen

So erging es auch einer französischen Zeitarbeiterin am Standort Lauwin-Planque (Département Nord): „Ich habe am 7. März bei Amazon angefangen. Zehn Tage später musste ich aufhören, da mein Arzt bei mir eine Corona-Infektion diagnostiziert hatte. Ich habe also die Personalabteilung von Amazon benachrichtigt, damit sie die anderen Angestellten schützen können. Ich bekam nur die Antwort, dass ich von Adecco [einer Zeitarbeitsfirma] angestellt worden sei und dass sie sich daher nicht um mich zu kümmern hätten! Amazon ergreift keinerlei Schutzmaßnahmen. Von den Umkleideräumen über die Arbeitsplätze bis zur Stechuhr, überall sind die Leute eng aneinander gedrängt.“

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von Le Monde diplomatique. LMd liegt immer am zweiten Freitag des Monats der taz bei und ist einzeln im taz-Shop bestellbar: Gedruckt oder digital (inklusive Audio-Version). Das komplette Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe finden Sie unter www.monde-diplomatique.de.

Den ganzen Monat März über haben Gewerkschaftsmitglieder die Ausstattung mit Mundschutz, Handschuhen, Schutzbrillen und Desinfek­tions­gel gefordert. In Japan bestätigte ein Angestellter des Warenlagers von Odawara (Präfektur Kanagawa) am 20. März, dass mit Ausnahme eines am Eingang zur Kantine aufgestellten Spenders mit alkoholischer Lösung zur Handdesinfektion keinerlei Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus getroffen wurden: „Ein Manager sagte, dass es unsere Schuld sei, wenn wir krank würden, und dass es in unserer Verantwortung liege, die Sicherheitsabstände einzuhalten. Er teilte uns mit, dass wir nicht bezahlt würden, wenn wir fehlten, und riet uns, auch mit Fieber zur Arbeit zu kommen.“

Ronan Bolé, Leiter von Amazon France Logistics, räumte am 19. März Mängel in Bezug auf die Sicherheitslage in den Warenlagern ein. Es sei nötig, „die Dinge zu verbessern“. Laut Muriel Leblanc, für das Warenlager von Montélimar zuständige Betriebsärztin, wäre es „aus Gesundheitsgründen angemessener, die Tätigkeit des Unternehmens einzustellen.“ Und der für das Lager in Sevrey verantwortliche Gewerbeaufseher Sébastien Deplanche empfahl seinerseits, „die Angestellten sollten sich zu Hause isolieren, selbst wenn bei ihnen keine Sars-CoV-2-Infektion bestätigt wurde“.

Deplanche teilt damit die Meinung polnischer, spanischer, italienischer und französischer Gewerkschaften, die auf eine Schließung beziehungsweise auf den ausschließlichen Versand von Medizinprodukten und Lebensmitteln dringen. Bis Mitte März haben über hundert französische Angestellte von ihrem rechtlich verbrieften Anspruch, vom Arbeitsplatz fernzubleiben, wenn dort eine Gefahr für ihre Gesundheit besteht, Gebrauch gemacht.

Dies veranlasste Amazon zu folgender Rundmail: „Die Hygienebedingungen an Ihrem Standort entsprechen den Bestimmungen im Hinblick auf Covid-19 (bestätigt durch die Personalabteilung). Die Arbeitssituation stellt keine schwere und unmittelbare Gefährdung dar. Gemäß den Richtlinien der Regierung ist folglich die Inanspruchnahme des Rechts auf ein Fernbleiben nicht gerechtfertigt, und jede Abwesenheit vom Arbeitsplatz wird nicht entlohnt.“

Weder Würde noch Mitbestimmung

In Italien riefen Gewerkschaftsvertreter zum Streik auf, damit der Multi aus Seattle das Protokoll zur Einführung von Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz einhielte, das Mitte März von der italienischen Regierung, den Gewerkschaften und den Arbeitgeberverbänden unterzeichnet wurde. Am 16. März legten die Beschäftigten des Logistiklagers in Castel San Giovanni die Arbeit nieder.

Gewerkschaftsvertreter Pino De Rosa von der traditionell eher rechten Gewerkschaft Ugl wird von der Wirtschaftszeitung Il Sole/24 ore mit den Worten zitiert: „Es ist einfach unmöglich, diesem Multi klarzumachen, was Würde und Mitbestimmung der Beschäftigten bedeuten.“

Schließlich konnte am 27. März eine Einigung erzielt werden. „Aber leider ist es in Zeiten, in denen sich das Medieninteresse auf die dramatische Lage in den überfüllten Krankenhäusern konzentriert und Versammlungen streng verboten sind, äußerst schwierig, die Menschen vor der Gesundheitsgefährdung zu warnen, denen die gesamte Bevölkerung durch die Amazon-Warenlager ausgesetzt ist“, beschrieb Massimo Mensi, nationaler Koordinator der CGIL, die Schwierigkeiten von Arbeitskämpfen in der aktuellen Lage.

„Unverantwortliche Strategie“

Um der Arbeitnehmerschaft einen Anreiz zu geben, sich an potenziell kontaminierten Standorten einpferchen zu lassen, hat Amazon eine außergewöhnliche Maßnahme ergriffen: Lohnerhöhungen. Für befristete Zeit erhalten Logistik-Arbeitskräfte in den USA 2 Dollar mehr pro Stunde; in bestimmten europäischen Ländern sind es 2 Euro. Die Polen, bei denen mehrheitlich für Deutschland bestimmte Sendungen verpackt werden, müssen sich mit 60 Eurocent zufriedengeben.

Insgesamt beläuft sich die Summe auf 350 Millionen US-Dollar. „Wie Sie sich vorstellen können, habe ich nichts gegen Lohnerhöhungen“, erklärt Mick Rix auf der anderen Seite des Ärmelkanals. „Aber damit wird die Anzahl kranker Arbeitnehmer in den Warenlagern um ein Vielfaches steigen. Dadurch wiederum werden weitere Mitarbeiter angesteckt, was im Gegenzug wieder zu mehr Einstellungen führt. Diese Strategie von Amazon ist nicht nur gefährlich, sie ist völlig unverantwortlich.“

Der Onlineriese hat sich inzwischen dem Druck gebeugt und beschlossen, einzelne Standorte zu schließen und desinfizieren zu lassen, wie beispielsweise am 19. März den New Yorker Knotenpunkt für Luftfracht neben dem Verkehrsflughafen LaGuardia. Amazon-CEO Jeff Bezos teilte auf dem Amazon-Blog mit, „unsere Logistik, den Transport, die Lieferkette, den Einkauf und die Prozesse von Drittanbietern“ so zu verändern, „dass wir der Lagerung und Lieferung von wichtigen Artikeln wie Haushaltswaren, Desinfektionsmitteln, Babynahrung und medizinischem Zubehör Priorität einräumen“.

Aber auch fünf Tage nach dieser Ankündigung war es noch möglich, sich via Amazon ein GPS-Hundehalsband liefern zu lassen. Solche Episoden zeigen die Kluft zwischen dem gewünschten individuellen Dienst am Kunden und der oft verborgenen Beeinträchtigung der Gesellschaft, die dem Wirtschaftsmodell Onlinehandel zugrunde liegt.

„Seit Jahren versucht Amazon mit allen Mitteln, Abgaben zu vermeiden, indem es seine Unternehmen überall steuerlich optimiert“, sagt Christy Hoffman, Generalsekretärin der UNI Global Union, des internationalen Dachverbands der bei Amazon aktiven Gewerkschaften. „Und heute zieht genau dieses Unternehmen den größten Profit aus dieser historischen Krise!“

Aus dem Französischen von Birgit Bayerlein

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie im Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 29. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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