Aufarbeitung in Syrien: Erster öffentlicher Prozess gegen Assad-Vertreter
Der ehemalige Brigadegeneral Atef Nadschib steht vor Gericht. Er soll verantwortlich sein für die Niederschlagung der Proteste vor 15 Jahren in Daraa.
ap | In Syrien hat der erste öffentliche Prozess gegen Amtsträger aus der Zeit der Herrschaft von Präsident Baschar al-Assad begonnen. Vor Gericht erschien am Sonntag Atef Nadschib, ein ehemaliger Brigadegeneral der syrischen Armee, der unter Assad die Abteilung für politische Sicherheit in der südsyrischen Provinz Daraa leitete. Er ist ein Cousin des gestürzten Präsidenten und muss sich wegen Verbrechen gegen das syrische Volk verantworten, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete.
Während Nadschibs Amtszeit wurden 2011 Jugendliche festgenommen und gefoltert, die regierungsfeindliche Graffiti auf eine Schulmauer in Daraa geschmiert hatten. Der Fall löste Massenproteste gegen die Sicherheitskräfte von Assads Regierung aus. Die Regierung ließ die Proteste niederschlagen, die schließlich in einen 14 Jahre dauernden Bürgerkrieg mündeten. Assad wurde im Dezember 2024 durch eine Blitzoffensive von Rebellen gestürzt und floh nach Russland. Auch die meisten Mitglieder seiner Führungsriege entkamen aus Syrien.
Assad und sein Bruder Maher, ein ehemaliger Kommandeur der 4. Panzerdivision des syrischen Militärs, wurden wie eine Reihe weiterer ehemaliger Sicherheitsbeamter in Abwesenheit angeklagt. Nadschib war der einzige der Beschuldigten, der am Sonntag persönlich zu einer vorbereitenden Sitzung des Prozesses dem Gericht vorgeführt wurde; das Verfahren wird im kommenden Monat fortgesetzt.
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