Asylanträge in Deutschland: Gut eine Million ist möglich
Mehr Anträge könnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2016 nicht bearbeiten, sagt der Chef Frank-Jürgen Weise. Ein Scheitern wäre aber beschämend.
epd | Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kann dieses Jahr nach Einschätzung seines Chefs, Frank-Jürgen-Weise, mehr als eine Million Asylanträge bearbeiten. Er rechne damit, dass sich momentan zwischen 300.000 und 400.000 Flüchtlinge im Land aufhielten, die bislang einen Asylantrag gestellt haben, sagte Weise der Passauer Neuen Presse.
Hinzu kämen noch rund 370.000 Altfälle, über die noch entschieden werden müsse. Darüber hinaus haben man dieses Jahr noch Kapazitäten, „um über 500.000 neue Fälle zu entscheiden“. Alles darüber werde einen neuen Antragsrückstau bedeuten, sagte er.
Sollten 2016 ebenso viele Flüchtlinge in die Bundesrepublik kommen und Asyl beantragen, „stehen wir im BAMF mit unserem Auftrag vor einem Problem“, sagte Weise. Der Spitzenbeamte, der in Personalunion auch die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg leitet, betonte aber, dass er es für „beschämend“ hielte, „wenn ein so großes, gut organisiertes Land wie wir diese Aufgabe nicht bewältigen könnte“.
Eine Schließung von Grenzen würde er „sehr bedauern“. Es wäre schade, „wenn Schengen und das Prinzip der Reisefreiheit, das eine ganze Generation junger Europäer positiv geprägt hat, nicht bewahrt würden“, betonte er.
Weise sagte, 60 Prozent der Flüchtlinge, die in den vergangenen Wochen Deutschland erreicht haben, seien Syrer oder Iraker. Die Zahl der Flüchtlinge aus den nordafrikanischen Maghreb-Staaten sei wieder zurückgegangen. „Bei den Syrern liegt die Schutzquote bei mehr als 90 Prozent, bei den Irakern sind es rund 80 Prozent“, sagte Weise. Im Januar hätten mehr als 60 Prozent derer, die einen Antrag gestellt haben, Schutz in Deutschland erhalten.
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