Neue Musik aus Berlin: Schwingen statt zittern

Für ihr Album „Solo“ spielte Isabelle Faust Kompositionen von Geigenvirtuosen wie Louis-Gabriel Guillemain ein. Ein Hörerlebnis von feiner Spannung.

Schwarz-Weiß-Porträt von Isabelle Faust. Die Violinistin trägt ein schwarzes Jacket und kurze Haare. Sie schaut nach oben. Vor ihr ragt der obere Hals einer Violine ins Bild.

Die Violistin Isabelle Faust Foto: © Marco Borggreve

Ihr Instrument hört auf den Namen „Sleeping Beauty“. Klingt modern, ist aber eine Stradivari aus dem Jahr 1704. Für ihre knapp „Solo“ betitelte CD hat die in Charlottenburg lebende Geigerin Isabelle Faust jetzt Werke ausgesucht, die alle von Komponisten aus dieser Zeit stammen. Der älteste von ihnen, Heinrich Ignaz Franz Biber, starb im Baujahr der „Schlafenden Schönheit“, der jüngste, Louis-Gabriel Guillemain, wurde ein Jahr später geboren.

Vertreter des Barock mithin, aus unterschiedlichen Phasen. Von Biber abgesehen, gehören diese Namen nicht zu den üblichen Kandidaten, mit denen Virtuosen heute auf sich aufmerksam machen. Und selbst Biber zählt bei Weitem nicht zu den bekanntesten Künstlern dieser Epoche. Dass Isabelle Faust sich an ein so spezielles Programm wagt, zeigt nicht bloß künstlerisches Selbstbewusstsein. Die Auswahl folgt einer leitenden Idee, da sämtliche Komponisten auf „Solo“ zugleich Geigenvirtuosen waren.

Die Musik passt zu Fausts Vorliebe für klare Töne, die sie hält, ohne sie groß mit Vibrato vom Schwingen zum Zittern zu bringen. Wo sie sonst schon sehr zurückhaltend mit diesem Stilmittel umgeht, verzichtet sie in ihren Barockeinspielungen fast vollständig darauf.

Isabelle Faust: „Solo“ (Harmonia Mundi), erscheint am 20. Oktober

Die zarten, leisen Linien der „Fantasia“ von Nicola Matteis Jr. oder der „Ayres“ von dessen Vater Nicola Matteis Sr. kommen so würdig zum Vorschein. Überhaupt ist dies keine Virtuosenleistungsschau mit Überwältigungsgimmicks. Alles hat eine feine Spannung. Die Mühe merkt man kaum.

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Jahrgang 1971, arbeitet in der Kulturredaktion der taz. Boehme studierte Philosophie in Hamburg, New York, Frankfurt und Düsseldorf. Sein Buch „Ethik und Genießen. Kant und Lacan“ erschien 2005.

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