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Evangelische Kirche will Schiff ins Mittelmeer schicken

Die Evangelische Kirche hat mit dem Bündnis United 4 Rescue eine Spendensammlung für ein Seenotrettungsschiff gestartet, das Flüchtlinge im Mittelmeer aufnehmen soll

Das Neue

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat am Dienstag mit dem Bündnis United 4 Rescue eine Spendensammlung für ein Seenotrettungsschiff gestartet, das Flüchtlinge im Mittelmeer aufnehmen soll. „Wenn Menschen in Not sind, muss geholfen werden“, sagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD, in Hamburg. Im September hatte die EKD bekannt gegeben, dass sie zusammen mit einem Verein die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch beauftragen wolle, ein Schiff ins Mittelmeer zu schicken. Der Beschluss geht auf eine Initiative des Evangelischen Kirchentags zurück. Unter dem Hashtag #WirschickeneinSchiff sammelt das von der Kirche dazu gegründete Bündnis United 4 Rescue aus Kirchen, Kommunen, Vereinen und Initiativen Spenden.

Der Kontext

Zuletzt reagierten die Rettungsleitstellen nach Angaben der NGO Alarm Phone mehrfach nicht auf Notrufe von Schiffbrüchigen. Die „Sea-Watch 3“ darf seit dem Sommer nicht aus Italien auslaufen. Zwei weitere Rettungsschiffe finden aktuell keinen Hafen, in dem sie mit den aufgenommenen Schiffbrüchigen an Bord anlegen dürfen. Italien und Malta hatten es am Montag abgelehnt, die „Ocean Viking“, die von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen betrieben wird, mit 60 aus Seenot geretteten Menschen an Land zu lassen. Das Schiff hatte die Menschen am Donnerstag nördlich von Libyen aus einem Holzboot gerettet.

Auch das Seenotrettungsschiff „Alan Kurdi“ der NGO Sea Eye durfte bis Dienstag weder in Italien noch auf Malta anlanden. 61 Flüchtlinge befinden sich seit der vergangenen Woche an Bord, darunter 21 Minderjährige. Der gesundheitliche Zustand der Flüchtlinge sei schlecht: Am Mittag kündigte Leoluca Orlando, der Bürgermeister von Palermo, an, sich beim Innenministerium dafür einzusetzen, dass das Schiff in Palermo anlegen dürfe.

Die Reaktionen

Als Reaktion auf die dramatische Lage im Mittelmeer hatten Deutschland, Frankreich, Malta und Italien im Spätsommer einen Verteilmechanismus vereinbart, um die Wartezeit für die Anlandung von aus Seenot Geretteten zu mindern. Der wurde in der vergangenen Woche erstmals aktiviert. Die Vereinbarung habe „sehr viel“ bewirkt, sagte dazu Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vor dem am Montag beginnenden Innenministertreffen in Brüssel. Trotzdem mussten die mehr als 120 Flüchtlinge auf zwei Schiffen auch am Dienstag weiter warten. Denn bislang ist unklar, welche ­weiteren Staaten sich an der Aufnahme beteiligen sollen.

Die Konsequenz

Das Thema stand aus diesem Grund auf der Tagesordnung des Treffens der Innenminister. Deutschland drängt darauf, dass sich als Konsequenz aus der Lage im Mittelmeer außer Frankreich und Deutschland weitere EU-Staaten dauerhaft mit Aufnahmekontingenten an dem Verteilmechanismus beteiligen. Auch osteuropäische Länder müssten in die „Solidarität einbezogen werden“, sagte Seehofer. Christian Jakob