Arbeitslosigkeit in Deutschland: Mehr als 3 Millionen ohne Job
Die Zahl der Arbeitslosen ist erstmals seit 2015 wieder über die 3-Millionen-Marke gestiegen. Allerdings haben viel mehr Menschen als damals einen Job.

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Über der Grenze von drei Millionen lag die Zahl der Arbeitslosen zum letzten Mal im Februar 2015. Die Arbeitslosenquote lag damals jedoch höher als heute – bei 6,9 Prozent. Das liegt daran, dass es aktuell zwar wieder etwa so viele Joblose gibt wie vor zehn Jahren, dennoch aber mehr Menschen arbeiten. Im Februar 2015 wurden 42,5 Millionen Erwerbstätige gezählt. Im Juli dieses Jahres waren 45,98 Millionen im Job – also rund 2,5 Millionen mehr. Insgesamt sieht es damit auf dem Arbeitsmarkt deutlich besser aus als vor 10 Jahren.
Dennoch bleibt der Trend nach oben ungebrochen. Schon seit drei Jahren steigt die Zahl der Arbeitslosen kontinuierlich. „Der konjunkturelle Gegenwind hinterlässt weiter seine Spuren auf dem Arbeitsmarkt und erfordert Gegenmaßnahmen“, sagte Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) am Freitag. „Es braucht Sicherheit und starke Impulse für Investitionen und Beschäftigung, um wieder Wirtschaftswachstum zu generieren und Schwung in den Arbeitsmarkt zu bringen.“
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Andreas Nahles, die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, sprach ebenfalls davon, dass der Arbeitsmarkt „nach wie vor von der wirtschaftlichen Flaute der vergangenen Jahre geprägt“ sei. Es gebe „allerdings auch erste Anzeichen einer Stabilisierung“, sagte sie anlässlich der monatlichen Pressekonferenz in Nürnberg.
Saisonbereinigt ist die Zahl sogar gesunken
Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht trotz des neuen Höchststands bei der Arbeitslosigkeit erste Lichtblicke. Für das Arbeitsmarktbarometer befragen die Fachleute monatlich alle Arbeitsagenturen nach ihren Erwartungen für die nächsten drei Monate. Im August erwarteten sie erstmals seit drei Jahren, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit ein Ende hat. Auch die Beschäftigung könnte demnach wieder Fahrt aufnehmen.
In den absoluten Zahlen des August lässt sich das zwar nicht erkennen. Das ist aber auch saisonbedingt. Denn die Arbeitslosenzahlen steigen in der Regel über den Sommer, weil Unternehmen vor den Ferien weniger einstellen und Ausbildungsverhältnisse enden. Die August-Zahlen waren zuletzt vor 15 Jahren so hoch.
Rechnet man die übliche Sommerdelle aus den aktuellen Zahlen raus, lässt sich die Trendwende zumindest erahnen. Denn saisonbereinigt ist laut Bundesagentur die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat sogar um 9.000 auf 2.961.000 gesunken.
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