Arbeitskampf in der Chip-Industrie: Micron wendet Mikrochip-Engpass ab
Der US-Hersteller einigt sich mit der Gewerkschaft an seinem Produktionsstandort Taiwan. Vor allem der KI-Boom ist abhängig von dort gefertigten Chips.
Foto: Ann Wang/Reuters
rtr | Eine drohende Verschärfung der globalen Chip-Knappheit ist vorerst abgewendet: Der US-Hersteller Micron hat sich mit einer wichtigen Gewerkschaft in Taiwan geeinigt. Beide Seiten haben am Mittwoch eine Vereinbarung für den bedeutenden Standort Taichung erzielt. Sie zogen sich daraufhin aus einem für Donnerstag angesetzten Schlichtungsverfahren zurück, wie sie in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Über die Inhalte des Abkommens wurde zunächst nichts bekannt.
Jede Störung der Produktion bei Micron in Taiwan hätte die ohnehin angespannten globalen Lieferketten für Speicherchips beeinträchtigen können. Der Konzern mit Sitz in Idaho ist der drittgrößte Speicherchip-Hersteller der Welt. Taiwan ist ein zentraler Produktionsstandort, an dem das Unternehmen mit rund 15.000 Mitarbeitern unter anderem DRAM- und HBM-Chips für Server für künstliche Intelligenz (KI) herstellt. Der KI-Boom hat die Nachfrage nach den Produkten von Chipherstellern wie Micron, Samsung Electronics und SK Hynix zuletzt stark angetrieben. Dies führte jedoch auch zu Forderungen der Belegschaft nach einer stärkeren Beteiligung an den Gewinnen.
Besonders die in Taiwan gefertigten HBM-Chips (High-Bandwidth Memory) sind für den KI-Boom von entscheidender Bedeutung. Diese hochleistungsfähigen Speicherbausteine ermöglichen die schnelle Verarbeitung der gewaltigen Datenmengen, die für das Training und den Betrieb von KI-Modellen erforderlich sind. Micron ist neben SK Hynix und Samsung einer der weltweit führenden Hersteller dieser technologisch anspruchsvollen Komponenten.
Warnstreik an anderem Standort geplant
Die nun erzielte Einigung betrifft die Gewerkschaft in Taichung, dem größten Micron-Standort in Taiwan. Für Donnerstag ist jedoch weiterhin ein eintägiger Warnstreik einer anderen Gewerkschaft am Standort Taoyuan geplant. Dort geht es um Boni und Gewinnbeteiligungen. Ob dieser Streik nach der Einigung in Taichung nun stattfindet, war unklar. Eine Aussage der Gewerkschaft aus Taoyuan dazu lag zunächst nicht vor.
Die ungebrochene Nachfrage nach KI-Technologie beschert der taiwanischen Exportwirtschaft Auftragsrekorde. Die Bestellungen legten im September um 62,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu und erreichten mit 114,21 Milliarden Dollar eine neue Bestmarke, wie das Wirtschaftsministerium in Taipeh mitteilte. Die Auftragsbücher der taiwanischen Konzerne, zu denen der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger TSMC gehört, gelten als wichtiger Frühindikator für die weltweite Nachfrage nach Technologie.
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