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Appell der Präsidenten

Im Streit über die Vertreibung der Sudentendeutschen fordern Rau und Havel die moralische Dimension ein

PRAG dpa ■ Im Streit über die Vertreibung der Sudetendeutschen haben Bundespräsident Rau und sein tschechischer Kollege Václav Havel vor „Denkgewohnheiten“ und „Schlussstrichen“ gewarnt. Die Staatsoberhäupter appellierten während eines Arbeitsbesuches Raus gestern in Prag, der Diskussion über dunkle gemeinsame Kapitel „eine menschliche, moralische und politische Dimension“ zu verleihen. Die bilateralen Beziehungen seien trotz zuletzt „starker Worte von beiden Seiten“ gut, unterstrichen die Präsidenten.

Im Streit um die Beneš-Dekrete kritisierte Rau, es werde „zu viel über juristische Fragen und zu wenig über individuelles Leid gesprochen“. Es bedrücke ihn, dass beide Seiten zuletzt in der Tonlage gelegentlich hinter Erreichtes zurückgefallen seien. Die Vertreibung als Folge des Unrechts des Weltkriegs sei selbst Ursache für großes Leid gewesen, betonte Rau. Dies sei aber kein Grund, „Leid mit Leid aufzurechnen“.

Vor dem Hintergrund der Verteidigung der Vertreibung durch tschechische Politiker rief Havel dazu auf, „eigenes geschichtliches Benehmen nicht zu einem unantastbaren Heiligtum“ zu machen.

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