piwik no script img

Appell der Beauftragten der RegierungSorge über mehr Hasskriminalität

Zehn Beauftragte der Bundesregierung fordern vom Staat mehr Schutz gegen Diskriminierung. Aktualität bekommt der Appell nach Gewalt beim CSD in Halle.

Die Zahl der Straftaten im Bereich Hasskriminalität ist 2022 um fast 10 Prozent gestiegen. Über 11.500 Straftaten registrierte das Innenministerium in diesem Bereich im vergangenen Jahr. Ein besorgniserregender Anstieg, den zehn Beauftragte der Bundesregierung für die Rechte potenziell betroffener Gruppen am Montag zum Anlass nahmen, sich mit einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit zu wenden.

Hasskriminalität bezeichnet Straftaten, die aufgrund von gruppenbezogenen Vorurteilen begangen werden. Betroffen sind der Erklärung zufolge Geflüchtete, Jü­d:in­nen und Muslim:innen, Sinti und Roma, Frauen, Menschen mit Behinderung und queere Menschen. Die Beauftragten betonen den Schaden, den Hasskriminalität für die Demokratie bedeute: „Rassistische, antisemitische und antiziganistische Hassverbrechen und Verbrechen wegen des Geschlechts und sexueller Identität nehmen drastisch zu in unserem Land. Im schlimmsten Fall münden diese in extremistischen und terroristischen Anschlägen.“ In Wahlkämpfen würden zunehmend Ressentiments geschürt, in sozialen Medien würde unverhohlen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit geäußert. Das Diskriminierungsverbot sei im Grundgesetz festgehalten, so die Beauftragten. Die Erklärung nimmt den Staat in die Pflicht, vor Diskriminierung zu schützen.

Unterzeichnet wurde der Aufruf unter anderem von der Antidiskriminierungsbeauftragten Ferda Ataman, dem Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderung Jürgen Dusel und dem Queer-Beauftragten Sven Lehmann.

Besondere Aktualität erhält die Erklärung durch Vorkommnisse rund um den Christopher Street Day am vergangenen Wochenende in Halle, bei dem Polizeiangaben zufolge vier Teilnehmende angegriffen und teils schwer verletzt wurden. Zwei der mutmaßlichen Täter wurden festgenommen, nach zwei weiteren wurde am Montag noch gefahndet.

Rund um Veranstaltungen, die sich für die Rechte queerer Menschen einsetzen, kommt es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen auf Teilnehmer:innen. 2022 starb ein trans Mann in Folge eines transfeindlichen Angriffs rund um den Christopher Street Day in Münster.

Erst im Juni hatte die Ampelkoalition geschlechtsspezifische oder gegen die sexuelle Orientierung gerichtete Beweggründe in den Paragrafen zu Hasskriminalität im Strafgesetzbuch aufgenommen. Ziel der Gesetzesänderung sollte sein, bei den Strafverfolgungsbehörden die Sensibilität für queerfeindliche Taten zu erhöhen. Jana Ballweber

Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Stilisierter Packshot der wochentaz mit Handy daneben, in dem das wochentaz-Logo und die taz-tazze zu sehen ist. Daneben die Abbildung der Prämie: ein Jockstrap in Weiß und Rot mit taz-Logo

10 Wochen wochentaz + exklusiver taz-Jockstrap

Fest an der Seite der queeren Community seit 1978: Mit unserem Pride-Abo der wochentaz gibt's jede Woche progressiven taz-Journalismus in den Briefkasten.

  • Seit ihrer Gründung nimmt die taz kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, für die Belange von queeren Menschen einzustehen
  • Unser Pride-Abo bietet dir diesen taz-Journalismus jede Woche neu in der wochentaz, unserer progressiven Wochenzeitung
  • Du bekommst 10 Ausgaben der gedruckten wochentaz frei Haus und einen Zugang zum digitalen Lesen
  • Dazu den exklusiven Jockstrap, der elegant, minimalistisch und für alle Geschlechter gestaltet wurde
  • Handgenäht in Norditalien und verfügbar in drei Größen

Probeabo & Prämie für nur 25 Euro

Jetzt Angebot sichern

1 Kommentar

 / 
  • ACH NEEEE....

    Was kommt wohl dabei raus, wenn man über viele Jahre hinweg eine hetzende und menschenverachtende Nazipartei ignoriert und somit zulässt?

    Was kann wohl passieren?!