das portrait: Apnoe-Taucher Tolga Taskin knackt Weltrekord
Seine Leidenschaft fürs Tauchen entdeckte Tolga Taskin bereits als Kind bei seinen Großeltern in der Türkei. „Wir haben uns mit Steinen beschwert und sind unter Wasser herumgelaufen“, sagt der 30-Jährige Hamburger. Inzwischen hat Taskin seine eigene Tauchschule – und kürzlich den Apnoe-Guinness-Rekord im Tieftauchen unter einer geschlossenen Eisdecke gebrochen.
Mit nur einem Atemzug tauchte er im Österreichischen Weißensee 74,8 Meter tief. „Es ist logistisch schwierig, so einen See zu finden. Und es ist eiskalt“, erzählt der Extremsportler. „Aber nirgendwo anders als in einem dunklen See kann ich so weit weg sein.“
Eine halbe Stunde vor dem Abtauchen beginnt für Taskin eine Meditation mit einer bestimmten Atem- und Mentaltechnik, sein Puls sinkt. Die letzten Atemzüge nimmt er im Wasser. „Mein Zustand ist wie kurz vor dem Einschlafen.“ Dann zieht ihn ein Schlitten an einem Seil in die Tiefe. „Unten empfinde ich eine zufriedene Euphorie, alles wird warm und kribbelt.“ Vor Entspannung macht Taskin sich meist in die Hose. Weniger als 30 Mal pro Minute schlägt sein Herz in diesem Moment. Ein Ausgleich zum Alltag: „Ich habe ADHS – Tauchen gibt mir genau das, was fehlt.“
Nicht nur seinen Geist trainiert Taskin, auch Zwerchfell und Zwischenrippenmuskulatur werden gedehnt. Außerdem lernt sein Körper durch Sprints ohne Atmen, bei Sauerstoffmangel länger bei Bewusstsein zu bleiben.
Seit fünf Jahren verdient er als Freediving-Instruktor Geld. Ein Studium der Sozialen Arbeit hat ihn nicht erfüllt – vielmehr das Anbauen von Gemüse auf dem Bauwagenplatz, den er mitgegründet hat. „Ich habe damals ohne Geld gelebt und mich nur mit dem Gemüse und Containern versorgt.“ Dann entstand Taskins erstes Unternehmen zur Herstellung recyclebarer Gewächskästen. Die Anteile hat er inzwischen verkauft. „Ich bin froh, stattdessen mit dem Tauchen eine Möglichkeit gefunden zu haben, in dieser Gesellschaft zu existieren.“ Alina Götz
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