Antikriegsvideo von „Save the Children“

Sekundenweise in die Zerstörung

Wie fühlt es sich an, wenn das Leben Tag für Tag in den Krieg abgleitet? Mit einem beeindruckenden Werbevideo hat das eine NGO nachgestellt.

Lächelndes Mädchen, glückliche Kindheit. Tabelle: youtube.com/user/savethechildrenuk

BERLIN taz | Es ist ein Video, wie es sie zu Hunderten im Netz gibt: Eltern mit zu viel Zeit nehmen ihre Kinder auf, ein Bild pro Tag. Als Video zusammengeschnitten sieht man, wie Kinder so aufwachsen und wie sie sich in einem Jahr verändern. So auch bei diesem Video: Die Protagonistin ist ein hübsches, blauäugiges Mädchen, das den achten Geburtstag feiert, umringt von Eltern und Freunden.

Das Mädchen probiert Lippenstift aus, wird von ihrer Großmutter in die Wange gekniffen und auf dem Schulhof von einem Jungen auf die Wange geküsst. Szenen einer glücklichen Kindheit in einem britischen Vorstadtgebiet.

So weit, so bekannt. Es ist ein „Eine Sekunde pro Tag“-Video, wie es sie massenhaft gibt, würde der Titel nicht behaupten, es sei das „schockierendste“ dieser Gattung. Und ab Sekunde 30 wird es auch langsam etwas unbehaglich: Das Mädchen verfolgt ein Pfeifen am Himmel, die Eltern packen gehetzt das Auto, im Fernsehen ist von „Luftangriffen“ die Rede.

Es ist eine feine Dramaturgie, die die Verwandlung einer glücklichen, bürgerlichen Kindheit in die Zerrüttung des Krieges darstellt. Mit ein wenig Fantasie können die Ereignisse zwischen den einzelnen Szenen einfach dazugedacht werden.

Dass die Protagonistin aus einer wohlhabenden Familie kommt, die mit einem Auto fliehen kann und dabei den Teddy nicht vergisst, ist natürlich kein Zufall, denn das Video ist Werbung. Werbung für „Save the Children“ in Großbritannien. „Nur weil es nicht hier passiert, bedeutet es nicht, dass es nicht passiert“, heißt es in der eingeblendeten Werbezeile – und unter dem Video der Verweis auf die Spendenseite.

Zum Schluss ist der Krieg wohl vorbei: Das Mädchen sitzt mit leerem Blick auf einem Krankenhausbett da, der Vater und ihre Freunde sind verschwunden, auf dem improvisierten Kuchen ist nur eine Kerze. Ihre Mutter, ebenfalls im Patientinnenhemd, singt leise „Happy Birthday“.

Update 08.03.: Nach einem Hinweis aus den Kommentarspalten wurde der letzte Absatz korrigiert. Die Frau in der letzten Szene ist keine Krankenpflegerin sondern die Mutter des Mädchens.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben