Anja Krüger über den Sal.-Oppenheim-Prozess: Urteil mit bitterem Beigeschmack
Früher hätte es das nicht gegeben: Banker setzten Geschäfte mit krimineller Energie in den Sand, verursachen einen Schaden in einer unfassbaren Höhe – und müssen dafür vor Gericht. Noch vor 20 Jahren wären sie mit einer fetten Abfindung verabschiedet worden und als hoch angesehene Gastprofessoren für die Ausbildung künftiger Führungskräfte wieder aufgetaucht. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute müssen Manager damit rechnen, dass es ihnen wie dem ehemaligen Führungsquartett des einst altehrwürdigen Bankhauses Sal. Oppenheim ergeht. Reiten sie ihr Unternehmen mit irren Aktionen in den Ruin, wartet nicht der Ruhestand, sondern der Platz auf der Anklagebank.
Dass der Prozess vor dem Landgericht Köln gegen die Manager und ihren Komplizen Josef Esch überhaupt stattgefunden hat, markiert eine Veränderung. Der Prozess zeigt eine neue Haltung der Justiz gegenüber mächtigen Wirtschaftslenkern, die mit einem Federstrich über Tausende Arbeitsplätze und damit Schicksale entscheiden und bei der Jagd auf den großen Gewinn glauben, sich über alle Regeln hinwegsetzen zu können.
Allerdings erscheinen die Urteile im Oppenheim-Prozess sehr milde. Immerhin haben sich die fünf Kombattanten bei ihrem Versuch, sich lukrative Karstadt-Immobilien unter den Nagel zu reißen, nicht nur einfach verzockt. Sie sind über Grenzen des Legalen gegangen, und zwar wissentlich. Doch nur der ehemalige Risikomanager Friedrich Carl Janssen soll ins Gefängnis, zumindest wenn das Urteil den Weg durch die Instanzen übersteht. Die übrigen Angeklagten kommen mit einer Bewährungsstrafe davon.
Das ist ein halbherziges Signal. Der Vermögensverwalter Josef Esch, der für Superreiche schon so manche fragwürdige Finanzkonstruktion aufgelegt hat, erhielt sogar nur eine Geldstrafe. Dass ausgerechnet er sich freikaufen konnte, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.
Wirtschaft + Umwelt
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