Angriff auf saudische Hauptstadt: Raketen am Himmel über Riad
Saudi-Arabien macht die Huthis im Jemen für zwei Raketenangriffe auf das Königreich verantwortlich. Hinter der Aggression stünde der Iran.
Gerade erst hatte es ein Fünkchen Hoffnung gegegeben. Am fünften Jahrestag des Krieges zwischen Saudi-Arabien und den Huthi-Rebellen im Jemen hatten alle Konfliktparteien einem UN-Friedensaufruf zugestimmt. Sowohl Saudis und Huthis als auch die jemenitische Regierung hatten am Donnerstag einen Aufruf von UN-Generalsekretär António Guterres begrüßt, der wegen des Coronavirus zu einer „sofortigen weltweiten Waffenruhe“ aufforderte.
Doch damit scheint es vorerst vorbei. In der Nacht auf Sonntag fing das saudische Luftabwehrsystem zwei Raketen ab, die auf die Hauptstadt Riad und die südsaudische Stadt Dschasan abbgefeuert worden waren. Dies sagte ein Sprecher der saudisch geführten Militärkoalition, die im Jemen seit 2015 gegen die Huthi-Rebellen Krieg führt.
Die Geschosse seien „von der terroristischen (...) Huthi-Miliz gegen Zivilisten und zivile Objekte im Königreich“ abgefeuert worden. Angaben der saudischen Luftabwehr zufolge wurden zwei Menschen durch Trümmerteile leicht verletzt, die vom Himmel fielen.
Anders als bei vorherigen Angriffen reklamierten die Huthi-Rebellen die Tat zunächst jedoch nicht für sich. Militärjets der Militärkoalition griffen einem Bericht der Senders Al Jazeera zufolge wenige Stunden nach den Raketenangriffen eine Militärbasis der Huthis im Jemen an.
Corona und Cholera
Im September hatten die Huthis einen groß angelegten Angriff auf Ölanlagen in Saudi-Arabien für sich reklamiert, in dessen Folge Saudi-Arabien seine Ölproduktion drastisch drosseln musste. Die USA und Saudi-Arabien sowie mehrere europäische Staaten, darunter Deutschland, machten den Iran verantwortlich. Die Huthi-Rebellen gelten als Stellvertreter Teherans im Jemen.
Saudi-Arabien sieht auch dieses Mal Teheran hinter den Angriffen auf Riad und Dschasan und setzt auf internationale Solidarität. „Der Abschuss ballistischer Raketen durch die terroristische Huthi-Miliz und die (iranischen) Revolutionsgarden spiegelt die Bedrohung durch (...) das iranische Regime wider, das sie sponsert“, heißt es in der Mitteilung der Militärkoalition. Dieser „bösartige Angriff“ richte sich auch gegen die internationale Gemeinschaft, die vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie gerade jetzt zusammenstehen müsse.
Saudi-Arabien und andere arabische Staaten griffen im März 2015 auf der Seite der jemenitischen Regierung in den Bürgerkrieg im Nachbarland Jemen ein. Bei Luftangriffen werden regelmäßig Zivilisten getötet. Menschenrechtsorganisationen werfen der Koalition deshalb massive Menschenrechtsverletztungen vor. Das UN-Menschenrechtsbüro sah in einem im September veröffentlichten Bericht Anzeichen, dass alle Konfliktparteien im Jemen Kriegsverbrechen begangen hätten.
Allein seit Januar wurden mehr als 40.000 Menschen innerhalb Jemens vertrieben. Die aktuelle Bedrohung durch das Coronavirus kommt zu einer Cholera-Epidemie hinzu, die seit 2017 besonders die notleidende Bevölkerung im Jemen betrifft. Seit vergangenem Jahr nehmen die Fallzahlen wieder zu. Oxfam zufolge wurden in den ersten sieben Wochen dieses Jahres 56.000 Cholera-Verdachtsfälle registiert.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert