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Angriff auf VenezuelaUS-Kontrolle über Venezuela könnte Jahre dauern

US-Präsident Donald Trump will venezolanisches Öl verkaufen und seinen Einfluss im Land ausbauen. Doch bei den US-Plänen bleibt vieles unklar.

Beerdigung von bei der US-Operation getöteten Soldaten in Caracas Foto: Maxwell Briceno/reuters

Aus Washington

Hansjürgen Mai

Die USA könnten in Venezuela über Jahre hinweg das letzte Wort behalten. Dies erklärte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch gegenüber der New York Times. „Ich würde sagen, viel länger“, antwortete Trump auf die Frage, ob die US-Kontrolle länger als ein Jahr andauern könnte. Der Republikaner gab an, das Land auf „profitable Weise wiederaufbauen“ zu wollen. Die Pläne sollen durch den Verkauf von venezolanischem Erdöl finanziert werden.

Wie die Zeitung berichtete, unterbrach Trump das Interview kurzzeitig, um mit dem kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro zu sprechen. Dem US-Präsidenten zufolge ging es dabei vor allem um den illegalen Drogenhandel aus Kolumbien. Trotz der mehrfachen Androhungen möglicher Militäroperation gegen Petro lud Trump diesen zu einem Treffen im Weißen Haus ein.

Die Ausführungen des Präsidenten gegenüber der New York Times, in denen er oft vage blieb, kamen Stunden nachdem hochrangige Regierungsmitglieder den US-Kongress über das weitere Vorgehen in Venezuela informiert hatten. Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth waren dazu am Mittwoch im Kapitol anwesend.

Die beiden beschrieben einen dreistufigen Plan: Stabilisierung, Aufschwung und Wandel. In der ersten Phase gehe es darum, Chaos zu verhindern. Der Zugang zu den riesigen Erdölvorkommen in Venezuela sei dabei eine wichtige Stütze.

USA beschlagnahmen zwei weitere Öltanker

Auch die Beschlagnahmung und der Verkauf von Öl gehören zu dieser Strategie. Laut Trump hat sich die von Vizepräsidentin Delcy Rodríguez angeführte venezolanische Übergangsregierung bereits bereit erklärt, bis zu 50 Millionen Barrel Erdöl an die USA auszuhändigen.

Die Einnahmen sollen laut Rubio vor allem Menschen in Venezuela zugutekommen. Am Mittwoch brachten die USA zwei Öltanker unter ihre Kontrolle. Grund für die Übernahme des Tankers im Nordatlantik, der unter russischer Flagge unterwegs war, sei ein Verstoß gegen US-Sanktionen gewesen.

Der zweite Öltanker, der in der Karibik beschlagnahmt wurde, soll in illegale Aktivitäten verwickelt gewesen sein. Erst im vergangenen Monat hatte Trump hatte eine vollständige Blockade aller sanktionierten Öltanker angeordnet, die Venezuela anlaufen oder verlassen. Insgesamt haben die USA bisher mindestens vier Tanker beschlagnahmt.

Mehr Geld fürs Militär

Gleichzeitig verkündete Trump, dass er die Militärausgaben um 50 Prozent anheben will. „Unser Militärbudget für das Jahr 2027 sollte nicht 1 Billion Dollar, sondern 1,5 Billionen Dollar betragen. Dies wird uns ermöglichen, die Traumarmee aufzubauen, die uns schon lange zusteht“, postete Trump auf Truth Social. Ob der Kongress eine solch drastische Erhöhung absegnen wird, ist unklar.

Die zwei weiteren Phasen des US-Plans für Venezuela – die des Aufschwungs und des Wandels – ließen viel Luft zur Interpretation. Die USA wollen das Land öffnen und Zugang zum venezolanischen Markt garantieren. Auch sollen politische Gefangene entlassen und eine Zivilgesellschaft aufgebaut werden.

Als Reaktion auf das Briefing verteidigten Republikaner die Militäroperation in Venezuela, die zur Verhaftung von Ex-Präsident Nicholás Maduro führte, während Demokraten sie als illegal bezeichneten. Der demokratische Abgeordnete Seth Moulton sagte, die Regierung würde „völlig improvisieren“, die Republikanerin Kat Cammack erklärte hingegen, sie habe „Klarheit über die Mission“ gewonnen.

Stabilität statt Demokratie

Auch wenn viele Details im Dunkeln bleiben, wird klarer, warum die US-Regierung aktuell auf Maduros Vizepräsidentin Rodríguez setzt. Berichten zufolge war es ihre Fähigkeit, die strauchelnde Wirtschaft Venezuelas unter Kontrolle zu bringen. Es gibt Spekulationen darüber, dass Rodríguez oder enge Vertraute die US-Operation zum Sturz Maduros unterstützten.

Mit Rodríguez setzt die Trump-Regierung auf „Stabilität statt Demokratie“, sagte der ehemalige US-Botschafter Charles Shapiro. „Sie haben das diktatorische Regime ohne den Diktator aufrechterhalten. Ich halte das für extrem riskant.“

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