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AnalyseAlarm in Chiapas

■ Bischof Samuel Ruiz gibt die Vermittlung in Mexikos Süden auf

Nun hat auch der Bischof von San Cristóbal, eine der Schlüsselfiguren im sogenannten Chiapas-Konflikt, das Handtuch geworfen. Am Sonntag verkündete er seinen Rücktritt als Vorsitzender der kirchlichen Vermittlungskommission Conai. Der Schritt ist alarmierender als alle anderen Signale zusammen, die seit Monaten von der dramatischen Ausweglosigkeit im mexikanischen Südosten zeugen.

Denn wenn einer in den letzten viereinhalb Jahren – allen widrigen Umständen zum Trotz – stur und unbeirrbar die „Möglichkeit eines würdigen Friedens“ gepredigt hatte, dann Samuel Ruiz. „Unsere Arbeit ist offenbar nicht mehr nötig“, sagte der Bischof nun auf seiner Sonntagsmesse in San Cristóbal. Und meint wohl eher: Die Arbeit ist schlicht unmöglich geworden. Seit die mit der Zapatistenguerilla EZLN ausgehandelte Gesetzesinitiative zu indigenen Rechten vor eineinhalb Jahren von der Regierung blockiert worden ist, gab es in Chiapas so gut wie nichts mehr zu vermitteln. Und der Friedensprozeß ist seither nicht ins Stocken geraten, wie die Standardformulierung der Medien lautet – es gibt ihn einfach nicht mehr.

Am Ergebnis gemessen, hat die Mittlerkommission also tatsächlich nicht viel vorzuweisen. Durch die offizielle Blockade, aber auch durch das lange Schweigen der Zapatistas – das allmählich auch unter Sympathisanten auf Unverständnis stößt – waren ihr schon lange die Hände gebunden. Dennoch war schon die bloße Existenz der Kommission zweifellos ein Entspannungsfaktor, eine Art Puffer zwischen zwei hochexplosiven Polen und nicht zuletzt die einzige Instanz, zu der die EZLN noch einen Rest Vertrauen bewahrt hatte.

Statt dessen verlangt der Präsident nun ein „direktes Treffen“ mit den zapatistischen Comandantes. Oder auch, wie Chefunterhändler Emilio Rebasa vor ein paar Wochen vollmundig zu formulieren beliebte, „ein Treffen von Mann zu Mann“ mit Subcomandante Marcos. Dabei sind beide vermutlich darüber im Bilde, daß die Gegenseite einen Dialog ausdrücklich nur unter Einschluß der Öffentlichkeit will. Solange ein solcher Dialog nur aufgeschoben, aber eben nicht endgültig aufgehoben schien, hatte sich auch die militärische Auseinandersetzung auf „indirekte“ Zusammenstöße beschränkt: die Attacken paramilitärischer Banden oder die Räumung „autonomer“ Gemeinden durch das Militär.

Jetzt steht zu befürchten, daß es demnächst möglicherweise doch zu „direkten Treffen“ zwischen der Staatsmacht und den Aufständischen kommen wird – und daß dabei dann nicht unbedingt geredet wird. So wie am Sonntag, als im Bundesstaat Guerrero bei Gefechten zwischen Militär und EPR- Guerilla elf Menschen ums Leben kamen. Anne Huffschmid

Siehe Portrait Seite 13

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