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Am Rande der Fußball-EMGefühle müssen übersetzt werden

Bei Pressekonferenzen tauchen gerne merkwürdige Begriffe auf. Aber der DFB lässt ausgesuchte Fans zu den Spielerinnen vor.

I talien ist in der Abfahrt sehr schnell.“ Das soll die spanische Trainerin Montse Tomé im Nachgang der Partie über ihre Gegnerinnen gesagt haben. So recht glauben mag ich das nicht. Es ist nicht das erste Mal, dass ich den Verdacht habe, die Übersetzer und Übersetzerinnen bei dieser EM kämen mit dem Metier Fußball ansonsten in ihrem Berufsleben eher weniger in Berührung. Meinte sie vielleicht, dass die Italienerinnen im Abschluss sehr schnell sind? Aber gut, wir sind in der Schweiz. Meinetwegen auch in der Abfahrt.

Mit dem, was die Schweiz so zu bieten hat, spielten auch die Marketinggenies der Uefa. Für Gipfel ist die Schweiz bekannt, für Emotio­nen noch nicht so sehr. Da entsteht doch eine wunderbare Reibung, haben sie sich vermutlich gedacht und schon war das Turniermotto „Summit of Emotions“ geboren.

Die etwa 2.500 Freiwilligen, welche die Organisation dieser EM begleiten, sind also gewissermaßen als Bergführer tätig. Sie weisen mit diesen überdimensional großen Schaumstoffhänden inklusive ausgestrecktem Zeigefinger den Weg zu den vermeintlichen Emotionsgipfeln. Die Volunteers tun ihr Bestes, damit kein Schäfchen aus der Herde verloren geht. Selbst wenn der Weg durch die Bewegungsrichtung der Menschenmasse vorgezeichnet scheint, fingern die mit ihrem Schaumstoffding dahin, wo alle hin sollen. Ein Witzbold geht zu ihnen hin und fragt, wie er denn am besten zum Stadion komme.

Der emotionale Gipfel der Europameisterschaft

Andere Volunteers heben Schilder hoch, auf denen „Here to help“ oder „Information point“ draufsteht. Worin sich ihr Aufgabenprofil genau unterscheidet, kann ich nicht sagen. Allgemein sollen sie jedenfalls dabei helfen, dass die Emotionen steil gehen können.

In Bern schauen sich viele Volunteers die Partie Spanien gegen Italien beim Public Viewing in der Fanzone an. Ich frage mich, ob das zu ihrem Aufgabengebiet als Freiwillige zählt oder ob sie das völlig freiwillig machen. Eigentlich ist der Platz auch so gut gefüllt.

Auch der DFB bemüht sich, dass es mit den Emotionen zumindest nicht steil bergab geht. In Zürich haben sie erstmals einen ausgewählten Kreis von Menschen, die dem Fanklub Nationalmannschaft angehören, zum Training nach Zürich ins höher gelegene Sportzentrum Buchlern eingeladen. Nach der Pleite gegen Schweden steht eine Regenerationseinheit an.

Dabei können die Zaungäste nicht nur die deutsche Nationalspielerinnen auf dem Ergometer und beim Auslaufen studieren, sondern werden von diesen auch mit Autogrammen und irgendwelchen DFB-Wimpeln versorgt. Das ein oder andere Gespräch über die Absperrung hinweg findet statt. Ein Anhänger stellt gegenüber Sjoeke Nüskens klar: „An uns liegt es nicht.“ Das ist er nun auch losgeworden.

Und von diesem Regenerationstraining wird er bestimmt noch seinen Enkelinnen erzählen. Mal schauen, wie es weitergeht. Aus dieser deutschen Fansicht könnte das schon der emotionale Gipfel dieser Europameisterschaft gewesen sein.

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Johannes Kopp taz-Sportredakteur

Jahrgang 1971, bis Ende März 2014 frei journalistisch tätig. Seither fest mit dem Leibesübungen-Ressort verbunden.
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