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An Schulen herrscht Personal­mangel. Die Altersstruktur der Lehrkräfte ist dafür ungünstig. Die Ministerien bauen auf die Demografie

Von Ralf Pauli

An den meisten Schulen im Land ist es gerade ruhig. Zwölf der 16 Bundesländer sind schon in den Sommerferien. Doch spätestens in ein paar Wochen müssen sich die Schul­lei­te­r:in­nen wieder fragen, wie sie zum neuen Schuljahr alle Fächer abdecken können. Im vergangenen Jahr blieben bundesweit Tausende Stellen unbesetzt.

Dass sich das in diesem Jahr wiederholen dürfte, legen neue Daten zur Altersstruktur der gut 752.000 Lehrkräfte in Deutschland nahe. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, war zuletzt mehr als jede dritte Lehrkraft (rund 35 Prozent) über 50 Jahre alt. Besonders ungünstig ist die Altersstruktur im Osten. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist rund jede zweite Lehrkraft über 50, in Thüringen oder Brandenburg sieht es nicht viel besser aus. Teils ist dort jede fünfte Lehrkraft über 60. Die wenigsten Lehrkräfte über 50 beschäftigen das Saarland und Bremen (je rund 30 Prozent).

Die Altersstruktur unter Leh­re­r:in­nen ist einer der Gründe, warum den Schulen auch in den nächsten Jahren noch Tausende Fachkräfte fehlen werden. Nach den Prognosen der Bildungsministerkonferenz (BMK) kommen derzeit einfach nicht genügend „frische“ Lehrkräfte nach, um die Pensionierungswelle abzufedern. In den Jahren 2025 bis 2027 werden demnach insgesamt 3.000 Lehrkräfte weniger ausgebildet als nötig wären.

Wobei der tatsächliche Bedarf viel höher liegt, weil die BMK-Berechnung nicht berücksichtigt, ob das verfügbare Personal auch tatsächlich in den Fächern, Regionen und Schulen unterrichtet, wo der Mangel groß ist. Nordrhein-Westfalens Schulministerin Dorothee Feller (CDU) beispielsweise sprach am Wochenende von mehr als 3.000 fehlenden Grund­schul­leh­re­r:in­nen allein in ihrem Bundesland.

Auch haben nicht alle Ministerien berechnet, dass zum 1. August der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Kraft tritt und schrittweise für alle Grundschulklassen ausgebaut wird. Schätzungen zufolge werden allein dafür bundesweit rund 100.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt.

Dazu kommt, dass die Schü­le­r:in­nen­zah­len zunächst weiter steigen und erst 2032 ihren Peak erreichen. Erst danach, so hoffen die Ministerien, entspannt sich die Lage aufgrund der sinkenden Geburtenzahlen. Das heißt aber: In den nächsten sechs Jahren muss eine alternde Leh­re­r:in­nen­schaft nebenbei noch zusätzliche 600.000 Kinder und Jugendliche mitversorgen.

Ob die Ministerien die Lücken wie bisher mit Quereinsteigenden füllen können, ist ungewiss. Deren Quote ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Im Schuljahr 2024/25 lag sie bundesweit bereits bei rund 11 Prozent. Am meisten Lehrkräfte ohne offizielles Lehramtsstudium beschäftigten Brandenburg (26 Prozent), Thüringen und Sachsen-Anhalt (je 21 Prozent) sowie Sachsen und Berlin (je 20 Prozent).

Längst müssen die Länder zu weiteren – teils unbeliebte – Maßnahmen greifen, um die Unterrichtsabdeckung vor allem auf dem Land zu gewähren. Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) beispielsweise kündigte diese Woche an, über die Sommerferien die Versetzung von beamteten Lehrkräften an unterversorgte Schulen prüfen zu wollen. Auch andere Länder, darunter Nordrhein-Westfalen, schicken Lehrkräfte im Notfall dorthin, wo es brennt. Wieder andere reduzierten zuletzt die Möglichkeiten, in Teilzeit zu arbeiten, setzten das Sabbatjahr aus oder ordneten wie Sachsen-Anhalt Mehrarbeit an, die auf einem Stundenkonto gutgeschrieben wird.

Selbst im traditionell gut versorgten Bayern verärgerte Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) Lehrerverbände zuletzt mit ihrem „Stellenmoratorium“. Also den Beschluss, trotz steigender Schü­le­r:in­nen­zah­len in diesem Jahr keine zusätzlichen Stellen zu schaffen. Wobei fraglich ist, was neue Stellen bringen, wenn auch der Freistaat längst nicht mehr alle ausgeschriebenen Stellen besetzen kann.

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