abgekündigt: Alsterruhe
Man muss nicht so weit gehen wie die Herausgeber des „Hamburger Tagesjournals“, dieses die Schlagzeilen anderer mundfertig darbietenden Newsletters aus irgendeiner innerstädtischen Contentklitsche. Die witterten neulich dunkle Mächte am Werk mit dem Ziel, den Hamburgern allen Spaß zu vermiesen: „Hetze gegen die Harley Days“ sei zu beklagen. Nun mag es die geben, denn das Röhr- und Knatterwochenende für verhinderte Dennis Hoppers polarisiert, keine Frage.
Dass die Newsletterschmiede nun aber ausgerechnet das stets zum Standort stehende Abendblatt als Quell der „Hetze“ identifiziert hatten, das verwundert dann doch – zumal sie gleich noch eine Schippe Spekulation drauf taten: „Wenn das Abendblatt mit den Harley Days durch ist, soll auch das laute Singen dem Leitmedium zum Opfer fallen“ – ein echter Brüller.
Nun mögen die Harley-Tage dereinst ihre Daseinsberechtigung zur Diskussion gestellt sehen, das ging dem Schlagermove nicht anders. Aber wo ein Geschäft winkt, daran rührt in dieser Stadt doch keiner, oder? Womit wir bei einer weiteren, äh, Perle an Hamburgs EventHals sind, und die hat wirklich schon bessere Tage gesehen: Das Alstervergnügen fällt aus – schon zum zweiten Mal. Von zu hohen Kosten für die Sicherheit ist die Rede und von einem Mangel an Sponsoren. Was sich so lesen lässt, dass die ehernen, weil kaufmännischen Prinzipien unangetastet sind: Beide genannten Probleme sind ja nur welche, wenn die 1976 erstmals ausgerichtete Veranstaltung absehbar zu wenig Erlös abwirft.
Und nun? Die CDU droppte erst eine Online-Traueranzeige (und bezichtigte den Senat der „Tötung durch Unterlassung“).Am gestrigen Freitag war der entsprechende Facebook-Post aber wieder gelöscht.
Andere Stimmen bekunden die Hoffnung, dass dem Erst-mal-Ende doch auch eine Chance innewohnen könnte auf eine neues, ein besseres Alstervergnügen – je nach politischer Couleur nachhaltiger oder mit mehr lokalen Künstlern oder leiser oder schlicht besser passend zu einem wertigeren künftigen Ambiente des Binnenalster-Ufers insgesamt. Davon freilich ist in Hamburg auch fast schon seit 1976 regelmäßig die Rede – nicht nur im Sommer, aber dann eben doch besonders laut. Alexander Diehl
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