AfD bei der Bundestagswahl: Machtkampf um Spitzenkandidatur

Alice Weidel will gemeinsam mit Parteichef Chrupalla die AfD in den Bundestagswahlkampf führen. Co-Chef Meuthen unterstützt ein anderes Duo.

Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD, spricht im Bundestag zu den Abgeordneten

Hat gute Chancen, Spitzenkandidatin der AfD zu werden: Alice Weidel Foto: dpa

BERLIN taz | Nun also doch. Kurz vor Ablauf der Frist wirft AfD-Fraktionschefin Alice Weidel ihren Hut für die Spitzenkandidatur im Bundestagswahlkampf in den Ring. „Die Spitzenkandidatur mit Tino Chrupalla werde ich wohl machen“, sagte Weidel in der am späten Dienstagabend ausgestrahlten ZDF-Talkshow „Markus Lanz“. Weidel hatte sich lange bedeckt gehalten, intern aber war bereits darüber spekuliert worden, dass sie gemeinsam mit dem sächsischen Co-Parteichef Chrupalla antreten könnte.

Damit steht der AfD ein Lagerkampf um die Spitzenkandidatur bevor. Denn zuvor hatte sich die Bundestagsabgeordnete Joana Cotar aus Hessen gemeinsam mit dem pensionierten Generalleutnant Joachim Wundrak aus Niedersachsen darum beworben.

„Mir ist an einer Lösung gelegen, die die AfD in ihrer Breite abbildet, mit der sich die Basis der AfD und unsere Wähler identifizieren können“, teilte Cotar am Dienstag mit. Sie habe Chrupalla angeboten, mit ihm ein Team zu bilden, doch das habe dieser abgelehnt. „Da auch kein anderes Team ins Rennen gegangen ist, das diesem Anspruch gerecht wird, haben Herr Wundrak und ich uns entschieden, uns gemeinsam für die Spitzenkandidatur zur Wahl zu stellen“, so Cotar weiter.

Cotar wird von Chrupallas Co-Parteichef Jörg Meuthen unterstützt, der auf ein gemeinsame Kandidatur Cotars mit Chrupalla gesetzt hatte. Dann wäre die AfD mit einem Duo in die Wahl gezogen, das nicht nur nach den Kriterien Frau/Mann und Ost/West quotiert gewesen wäre, sondern in dem auch beide Flügel der Partei vertreten gewesen wären. Das ist nun bei keinem der beiden Kandidatenteams der Fall.

Weidel und Chrupalla haben wohl die besseren Chancen

Weidel und der „Flügel“-nahe Chrupalla stehen in dem zugespitzten, internen Machtkampf, der die Partei seit Monaten lähmt, auf der gleichen Seite – in Opposition zu Meuthen. Sie werden auch vom formal aufgelösten, rechtsextremen „Flügel“ um den Thüringer Partei- und Fraktionschef Björn Höcke unterstützt.

Cotar und Wundrak stehen dagegen auf der Seite des Meuthen-Lagers. „Wir wollen die AfD als Partei positionieren, die für konservative, patriotische und freiheitliche Werte steht und für breite Schichten unseres Volkes eine politische Alternative zu den Alt-Parteien darstellt“, so Cotar.

Weidel und Chrupalla aber werden parteiintern die weitaus größeren Chancen eingeräumt, weil sie bekannter und erfahrener sind und auch von den Ostverbänden unterstützt werden. Bis Mittwoch 12 Uhr können noch weitere Duos ihre Kandidatur anmelden, dann entscheiden die Mitglieder zwischen dem 17. und dem 24. Mai in einer Online-Befragung.

In der Bundestagsfraktion umstritten

Anders als die drei anderen Kan­di­da­t:in­nen hat Weidel allerdings noch keinen Spitzenplatz auf einer Landesliste, Baden-Württemberg hat diese noch nicht aufgestellt. In ihrem eigenen Landesverband hat die Landeschefin erbitterte Gegner, ein Selbstläufer ist Listenplatz eins für sie nicht.

Auch in der Bundestagsfraktion ist Weidel umstritten. Ihr werden Führungsschwäche und häufige Abwesenheit nachgesagt, zudem ist sie in eine Spendenaffäre verstrickt. Sie war bei der Bundestagswahl 2017 gemeinsam mit Alexander Gauland als Spitzenkandidatin angetreten, die AfD zog mit 12,6 Prozent erstmals in den Bundestag ein.

Manche in der Partei zweifeln daran, dass der oft hölzern wirkende Chrupalla das Zeug zum Spitzenkandidaten hat. Doch der sächsische Landesverband hat ihn auf Listenplatz eins gewählt. Das gilt auch für Wundrak, der bislang ranghöchste ehemalige Soldat in der AfD, in Niedersachsen. Seine Parteimitgliedschaft hatte er erst nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr öffentlich gemacht. Cotar ist digitalpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Mitglied im Bundesvorstand und Nummer Zwei der hessischen Landesliste für die Bundestagswahl.

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