Abschmelzender Permafrost in Sibirien: Diesel-Austritt bedroht Arktis

In Sibirien sind nach einem Leck an einem Großtank 20.000 Liter Diesel in einen Fluss gelaufen. Nun ist die Arktis bedroht. Der Notstand wurde verhängt.

Eine Eisbärenmutter und ihre zwei Kinder laufen durch Wasser, das sich auf Eisschollen gebildet hat.

Könnte durch die Diesel-Verschmutzung bedroht werden: die Natur in der Arktis Foto: Hinrich Bäsemann / dpa

BERLIN afp/taz | Nach der großflächigen Verschmutzung eines Flusses nach einem Unglück im örtlichen Wärmekraftwerk haben die Behörden der sibirischen Stadt Norilsk den Notstand verhängt. Rund 20.000 Liter Diesel seien nach einem Leck aus einem Reservetank für die Generatoren in den Ambarnaja geströmt, teilte die Staatsanwaltschaft der Region Krasnojarsk mit. Ein Ermittlungsverfahren sei eingeleitet. Dabei gehe es auch um die Verschmutzung des Erdreichs.

Auf vom WWF veröffentlichten Satellitenbildern und Videos, die in den Online-Netzwerken verbreitet wurden, war die Öl-Verschmutzung im Ambarnaja-Fluss deutlich zu sehen. Der Wasserlauf mündet in die Karasee, ein Randmeer des Arktischen Ozeans. Um eine Ausweitung der Schäden in die Arktis zu verhindern, sind auch Experten der russischen Marine im Einsatz.

Norilsk ist bekannt für die Nickelproduktion, die 175.000-Einwohner-Stadt gilt als weltweit nördlichste Großstadt. Sie steht komplett auf Permafrostboden, der in vielen Regionen von einer klimawandelbedingten Eisschmelze bedroht ist. Das Gelände gehört dem russischen Bergbaukonzern Norilsk Nickel. Der geht davon aus, dass der Dieseltank durch abtauenden Permafrost in seiner Statik beschädigt wurde, als stützende Pfeiler unerwartet absackten. Die Pfeiler hätten den Tank „seit 30 Jahren ohne Probleme“ gestützt, erklärte das Unternehmen.

Der Chef von Norilsk Nickel, Sergei Lipin, erklärte, die Marine habe Ölschwellen auf beiden Flussarmen installiert, um zu verhindern, dass das Öl flussabwärts treibt. Dutzende Arbeiter hätten bereits 500 Kubikmeter des verschmutzten Wassers entfernt. Die Säuberungsaktion dauere an. Nach Angaben der staatlichen russischen Umweltaufsicht wurde durch den Unfall kein Grundwasser verseucht.

Nicht der erste Unfall bei Norilsk Nickel

Die bisherigen Maßnahmen seien sinnvoll, bedeuteten aber nicht, dass keine toxischen Elemente in den See gelangt seien, sagte Alexei Knischnikow von WWF Russland. „Unglücklicherweise sind die giftigsten Elemente von Diesel Aromaten wie Benzol, Toluene und Xylene, die sich in Wasser lösen und deshalb nicht mit Ölsperren abgefangen werden können.“ Er stimme mit anderen Umweltexperten überein, dass ein enges Monitoring des Flusswassers bis in die arktischen Schutzzonen nötig sei.

Bereits vor vier Jahren war es in einem von Norilsk Nickel betriebenen Werk zu einem Schadstoff-Unfall gekommen, bei dem ein anderer Fluss in der Region massiv verschmutzt wurde. Gegen den Konzern wurde damals eine Geldstrafe von umgerechnet weniger als tausend Euro verhängt.

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