ARD-Tatort "Schweinegeld": Schnitzelprinz Hanswurst
Die Berliner "Tatort"-Kommissare ermitteln in der Fleischfabrikation. Dabei stoßen sie auf Subventionsbetrug und Leiharbeiterelend. Ein Krimi aus den Gedärmen der Lebensmittelindustrie
Bild: ard
Der Schnitzelkönig von Berlin ist tot, gefunden wurde seine Leiche gut gekühlt im Lagerraum seiner Fabrik inmitten von Schweinehälften. Denn Schnitzel werden in diesem „Tatort“ aus den Prekariatszonen der Hauptstadt natürlich nicht aus jungen glücklichen Kühen, sondern aus einmal durch Europa gekarrten Borstentieren gewonnen. Aber was willste machen: Drei Schnitzel für unter Einsfuffzig, da kannste wirklich nicht meckern, das ist konkurrenzlos.
Dabei soll der ermordete Schnitzelkönig Hans Merklinger gar nicht mal so ein Ausbeuter und Billigheimer gewesen sein. Klar, er war auch in dem einen oder anderen Lebensmittelskandal verwickelt; ein paar Monate lang machte sogar das üble Wort vom Gammelfleisch um seine Fabrik herum die Runde. Aber seine Leute hat er immer tiptop bezahlt, zumindest wenn man zum Vergleich die branchenübrigen Niedrigstlöhne ansetzt. Vierfuffzig die Stunde haben seine Bulgaren bekommen – die ihnen dann zum Großteil allerdings gleich wieder für Kost und Logis abgeknüpft worden sind.
Trotzdem: Jetzt, wo der Alte tot ist, soll noch mal ordentlich an der Lohnschraube gedreht werden. Der ungeliebte Junior Maximilian Merklinger (Lucas Gregorowicz), der die Führung im Unternehmen übernimmt, lässt jedenfalls schon mal von seinen osteuropäischen Geschäftspartnern neue Lohnstrategien entwickeln: „Für 4,50 wir können besorgen zwei Schlachter aus Ukraine.“ Eine polnische Mittelsfirma soll dann dafür sorgen, dass man mit dem EU-Recht keine Probleme bekommt.
Subventionsbetrug, Leiharbeiterelend, EU-Tricksereien – der Tod des Schnitzelkönigs führt die Kommissare Ritter (Dominic Raacke) und Stark (Boris Aljinovic) in „Schweinegeld“ (Regie: Bodo Fürneisen) direkt ins Dickicht der globalisierten Fleischwirtschaft. Das Autorenteam Christoph Silber und Thorsten Wettcke, die zuvor den hervorragenden neuen Hamburger „Tatort“ mit Mehmet Kurtulus entwickelt haben, ließen sich bei ihrer Arbeit unter anderem von Adrian Peters Sachbuch „Die Fleischmafia“ inspirieren, fuhren die ins Internationale ragende Geschichte dann aber wieder geschickt aufs Berliner Mittelstandsmilieu herunter, in dem sich zur Zeit eben wie in anderen Industriezweigen ein Generationenwechsel vollzieht.
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