ARD-Komödie über queere Elternschaft

„Hach, Männer!“

Die Komödie „Die Freundin meiner Mutter“ will ein queeres Set-up ins ARD-Programm hieven – und torkelt ins Heteronormative.

Szene aus dem Film „Die Freundin meiner Mutter“

Leider zu viel „American Pie“-Humor Foto: NDR/Mark Mohnheim

Spike Lee war krass nicht begeistert. Als bei der diesjährigen Oscar-Verleihung das Feelgood-Rassismusdrama „Green Book“ zum besten Film des Jahres erkoren wurde, dampfte Lee davon. Ein Film über Feindseligkeit gegenüber Afroamerikaner*innen aus Perspektive eines Weißen – fanden viele unnötig. Ähnlich die aktuelle ARD-Produktion „Die Freundin meiner Mutter“: Es geht um progressives Zusammenleben, sexuelle Vielfalt und Familienplanung. Im Mittelpunkt jedoch steht ein heterosexueller Mann, der sich in eine bildhübsche Frau verliebt.

Dabei trudelt die Konstellation zunächst unverbraucht aus dem Skript: Der verzagte Buchhändler Jan lebt mit seiner selbstverständlich vollkommen platonischen besten Freundin, Comedienne Hannah, unter einem Dach, soll aber für seine Mutter Viktoria und deren Liebste Rosalie „Samenbevollmächtigter“ werden. Zwischendrin Jans Vater Dieter, ein schratiger Sympath, der in Viktorias Keller ein Fußballzimmer hat und die Wäsche aufgedrückt bekommt. Jan ist zunächst krass nicht begeistert von der Spermabestellung seiner Mutti.

Dann aber doch zu verschossen in Rosalie, die wie Julia Roberts in „Notting Hill“ in seinen Buchladen schwebt und ihm, romantisch, romantisch, ein Gemälde schenkt. Aber Max Riemelt erinnert in der Rolle als Jan mehr an eine Parship-Werbung als an Hugh Grant, und der Plan ist reichlich bescheuert: Vielleicht verliebt sich die lesbische Rosalie ja doch in ihn, wenn sie nur mal fachgerecht penetriert wird?

Technokratische Matriarchin

Natürlich nicht. Und der Film von Mark Monheim („About a Girl“) thematisiert das auch, nur leider ohne tatsächlich reflektiert zu sein. Da kann noch so viel Kierkegaard gelesen und mit Proust-Dirty-Talk geflirtet werden: Wirklich clever ist das nicht. Katja Flint gibt die Viktoria als technokratische Matriarchin, die das Flachlegen promotet, aber nie liebevoll erscheint. „So lange du die männlichen Klischeevorstellungen derart billig bedienst, wirst du der Sache der Frau nicht weiterhelfen“, kommentiert sie Hannahs Hotpants.

Gute Sätze stecken ein paar drin im Buch von Kirsten Peters, Martin Rehbock und Philip Voges, auch: „Lesbisch sein ist doch kein kaputtes Auto!“ Doch immer wieder scheitert der Film beim Modernsein an seiner Verwurzelung in konservativen Strukturen. Schon in der Eingangsszene glotzt Jana Lämmerers Kamera den Körper von Jans Jugendliebe Madeleine ab, als hätte es Laura Mulvey nie gegeben.

Deutsches „American Pie“ oder amüsante Provokation des 20.15-Bürgertums?

Zumindest lustig könnte es ja sein. „Komödiantisch überhöhen“ war das Ziel von Regisseur Monheim, „mit einem Augenzwinkern die Genderdebatte auf die Spitze treiben.“ Faktencheck: Jan rülpst Hannah beim Anbandeln ins Gesicht. Jan soll in eine Kakaotasse onanieren. Jan fragt Rosalie ungelenk, ob sie noch Jungfrau sei (weil sie noch nie einen Penis in der Vulva hatte, logisch).

Parodie bestärkt die Norm

Deutsches „American Pie“ oder amüsante Provokation des 20.15-Bürgertums? Tatsächlich keck interpretiert Jasna Fritzi Bauer, die auch schon Mifti in „Axolotl Overkill“ war, die Identifikationsfigur für die Millennial-Zuschauer*innen. Sie und Stefan Brentle als Doofbolzen Robert können schon mal ein Schmunzeln entlocken. Doch jede Parodie bestärkt eigentlich nur die Norm, die sie karikiert. Dass es als gleichgeschlechtliches Paar extrem hart sein kann, sich den Familienwunsch zu erfüllen, deutet der Film nur an.

„Die Freundin meiner Mutter“, 13. März 2019, 20:30 Uhr, ARD.

Mit „Unser Kind“ lief im Ersten unlängst ein Drama zum selben Thema, das von der queeren Kritik positiv aufgenommen wurde. In „Die Freundin meiner Mutter“ scheinen dagegen alle ein Rad ab zu haben und am Ende gibt es natürlich auch ein heterosexuelles Happy End zwischen Hannah und Jan, der ihr die Kaffeemühle aufdreht, wenn sie zu fest verschlossen ist. Es endet mit „Locker Room Talk“ zwischen Jan und seiner Mutter, letztlich der seufzenden Feststellung, dass nach dem Abspann alles wieder werden kann, wie man’s kennt: „Hach, Männer!“

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