+++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Russland ändert Taktik
Das russische Militär fährt am Karfreitag einen großangelegten Luftangriff. Dabei sind in der Ukraine mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen.
Selenskyj drängt Parlament zu Reformen für Milliardenhilfen
rtr | Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ruft das Parlament zur raschen Verabschiedung wichtiger Gesetze auf, um eine Haushaltskrise abzuwenden. Die Reformen seien entscheidend für den EU-Beitritt und die Freigabe von Hilfsgeldern, erklärt er. Wegen eines langsamen Gesetzgebungsprozesses hat die Ukraine zuletzt Fristen verpasst, um Milliarden von ihren wichtigsten Geldgebern abzurufen. Der externe Finanzierungsbedarf des Landes liegt in diesem Jahr bei 52 Milliarden Dollar.
Russland verlegt sich auf Tagesangriffe
rtr | Bei großangelegten russischen Tagesangriffen sind in der Ukraine am Freitag mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Drohnen hätten Wohngebäude und zivile Infrastruktur in den zentralen Regionen Schytomyr und Kyjiw getroffen, teilten die dortigen Gouverneure über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. Dabei sei jeweils ein Mensch getötet worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte die Angriffe auf X als „Zuspitzung zu Ostern“. Die russischen Streitkräfte hätten ihre Angriffe in einer Zeit intensiviert, in der eigentlich Ruhe am Himmel herrschen sollte. Selenskyj hatte Anfang der Woche eine Feuerpause für die Osterfeiertage vorgeschlagen.
Russland ändert mit den Angriffen tagsüber offenbar seine Taktik. Seit Beginn des Krieges vor mehr als vier Jahren hatte die Armeeführung Drohnen und Raketen zumeist nachts abfeuern lassen. In den vergangenen Wochen startete sie mehrfach Hunderte von Drohnen und Raketen am Tag. Der Sprecher der Luftwaffe, Jurij Ihnat, sagte im Staatsfernsehen, der Feind nutze neue Routen, ständig modernisierte Drohnen und eine neue Taktik. Die ukrainische Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko warf Russland auf X vor, die Zahl der zivilen Opfer erhöhen zu wollen, Angst zu verbreiten und die ukrainische Infrastruktur zu beschädigen.
Die ukrainische Luftwaffe zerstörte nach eigenen Angaben seit Donnerstagabend 515 von 542 Drohnen sowie 26 von 37 Raketen. In der Region Kyjiw wurde neben Wohnhäusern und Verwaltungsgebäuden eine Tierklinik beschädigt, wobei 20 Tiere getötet wurden, wie Gouverneur Mykola Kalaschnyk mitteilte. In der Region Schytomyr wurden den Behörden zufolge 18 Gebäude zerstört und mehr als 100 beschädigt.
Moskau greift mit Hunderten Drohnen an
dpa | Das russische Militär hat die Ukraine am Karfreitag bei einem schweren Luftangriff mit Raketen und Drohnen überzogen. „Hunderte Schahed-Kampfdrohnen und Dutzende Raketen gegen unsere Städte und Gemeinden“, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Netzwerken nach einem Telefonat mit Papst Leo XIV.
Selenskyj erklärte, so sehe die russische Antwort auf sein Angebot zu einer Waffenruhe über Ostern aus. Allerdings feiern die Kirchen in der Ukraine wie in Russland Ostern nach orthodoxem Kalender erst kommende Woche am 12. April.
Im Umland der Hauptstadt Kyjiw wurde nach Behördenangaben mindestens ein Mensch getötet und ein weiterer verletzt. Durch die Angriffe am helllichten Tag kam es nach Auskunft der örtlichen Stromversorger auch zu Stromausfällen in der Dreimillionenstadt Kiew und anderen Gebieten. Zuvor war wegen der Gefahr durch russische Raketen und Drohnen im ganzen Land Luftalarm ausgelöst worden.
Angaben der ukrainischen Luftwaffe zufolge setzte das russische Militär über Nacht und tagsüber mehr als 500 Drohnen und 37 Raketen unterschiedlichen Typs ein. Demnach wurde der Großteil der Flugkörper rechtzeitig abgefangen. Dennoch habe es an 20 Orten Einschläge gegeben. Als Vorsichtsmaßnahme ließ die polnische Armee zudem einer Mitteilung zufolge eigene Abfangjäger aufsteigen. Verletzungen des polnischen Luftraums habe es jedoch nicht gegeben. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion.
Russische Ölraffinerie muss Betreib teilweise einstellen
rtr | Nach einem ukrainischen Drohnenangriff muss die russische Ölraffinerie Nowo-Ufimsk Insidern zufolge eine ihrer größten Rohöldestillationsanlagen abschalten. Der Angriff habe ein Feuer an der Anlage ausgelöst, die für etwa 28 Prozent der Gesamtkapazität der Raffinerie stehe, sagen drei mit dem Vorgang vertraute Personen. Der Gouverneur der Republik Baschkortostan, Radij Chabirow, teilt mit, mehrere ukrainische Drohnen seien in der Nähe von Ölraffinerien in der Stadt Ufa abgeschossen worden. Trümmerteile seien in ein Industriegebiet gefallen. Den Namen der betroffenen Raffinerie nennt er nicht. Der Eigentümer der Anlage, Rosneft, ist für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Russische Einnahmen aus Öl und Gas brechen ein
rtr | Die russischen Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft fallen im März im Jahresvergleich um 43 Prozent auf 617 Milliarden Rubel (7,72 Milliarden Dollar). Dies geht aus Daten des Finanzministeriums hervor, die den Rückgang mit niedrigeren Ölpreisen und einem stärkeren Rubel begründen. Gegenüber dem Vormonat steigen die Einnahmen jedoch an. Da die Zahlen auf der Produktion im Februar basieren und damit vor dem durch den US-israelischen Krieg im Iran ausgelösten Ölpreisanstieg liegen, wird ab April wieder mit wachsenden Erlösen gerechnet. Die Einnahmen sind entscheidend für den russischen Staatshaushalt, der angesichts hoher Militärausgaben ein massives Defizit aufweist.
Ukraine greift russische Ölraffinerie an
rtr | Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben eine Ölraffinerie in der Stadt Ufa angegriffen. Dadurch sei in der Anlage ein Feuer ausgebrochen, teilt der ukrainische Generalstab über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. Ufa liegt mehr als 1.400 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.
Ukraine will bei Öffnung der Straße von Hormus helfen
ap | Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Unterstützung seines Landes bei der Sicherung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus angeboten. Selenskyj verwies auf die Erfahrung der ukrainischen Streitkräfte, trotz russischer Angriffe Schifffahrtsrouten auf dem Schwarzen Meer offen zu halten. „Wenn wir dazu aufgefordert werden, werden wir helfen“, sagte Selenskyj, ohne näher darauf einzugehen, was diese Hilfe beinhalten könnte. „Die Meerenge muss wieder befahrbar gemacht werden.“
Selenskyj hatte den Golfstaaten auch Hilfe bei der Abwehr iranischer Drohnen angeboten, mit denen die Ukraine aus dem Krieg mit Russland bereits Erfahrung hat. Vertreter der Ukraine sind bereits in die Region gereist, um als Berater zu fungieren.
Lage an der Front laut Selenskyj die beste seit zehn Monaten
rtr | Für die Ukraine ist die Lage an der Front nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj die Beste in den vergangenen zehn Monaten. Die ukrainischen Truppen hätten im vergangenen Monat eine russische Offensive vereitelt, teilt sein Präsidialamt mit. Allerdings würden nun die russischen Streitkräfte ihre Angriffe verstärken. Er beruft sich auf Daten der ukrainischen und britischen Geheimdienste. Zudem habe er US-Unterhändler nach Kiew eingeladen und „positive Signale“ erhalten, erklärt er weiter.
Massive russische Luftangriffe mit neuer Taktik
rtr | Russland überzieht die Ukraine nach Angaben der dortigen Luftwaffe seit Donnerstagabend mit einer anhaltenden Welle von Luftangriffen. Eine große Anzahl feindlicher Drohnen befinde sich im ukrainischen Luftraum, teilt die Luftwaffe mit. Dabei setze Moskau auf eine neue Taktik und suche nach Wegen, die ukrainische Luftabwehr zu durchdringen.
„Wir sehen, dass der Feind neue Routen, ständig modernisierte Drohnen und neue Taktiken einsetzt“, sagt Luftwaffensprecher Jurij Ihnat im staatlichen Fernsehen. In den vergangenen 24 Stunden habe Russland mehr als 400 Langstreckendrohnen sowie zehn ballistische Raketen abgefeuert. Letztere seien vor allem auf Gebiete nahe der Front gerichtet gewesen. Es ist das zweite Mal in dieser Woche, dass Russland auf einen nächtlichen Drohnenbeschuss schwere Angriffe am Tag folgen lässt.
Charkiw unter Dauerbeschuss
dpa | Die ostukrainische Großstadt Charkiw nahe der Grenze zu Russland wird nach Behördenangaben seit mehr als einem Tag von ständigen russischen Luftangriffen überzogen. In der Nacht auf Freitag habe es vier Raketenangriffe gegeben, schrieb der Militärgouverneur des Gebietes Charkiw, Oleh Synjehubow, auf Telegram. Auch Drohnen wurden eingesetzt. Die Polizei berichtete morgens von fünf Verletzten und Schäden an Wohnhäusern und Bürogebäuden.
Karfreitag ist nach Zählung des ukrainischen Generalstabs der 1.500. Tag der groß angelegten russischen Invasion. Kremlchef Wladimir Putin hatte seine Truppen am 24. Februar 2022 in das Nachbarland einmarschieren lassen.
Schon am Donnerstag griff die russische Armee Charkiw immer wieder mit Kampfdrohnen an. In der Stadt herrschte fast rund um die Uhr Luftalarm. Ukrainische Rettungskräfte sprachen von russischen Drohnen des iranischen Bautyps Schahed mit schnellem Jetantrieb. Deren Flugzeit von Russland bis Charkiw sei so kurz, dass eine Abwehr schwierig sei. Die zweitgrößte Stadt der Ukraine, die vor dem Krieg 1,4 Millionen Einwohner zählte, liegt nur etwa 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.
Auf russischer Seite teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit, in der Nacht auf Freitag seien 192 ukrainische Drohnen abgefangen worden. Zu Treffern wurde nichts bekannt. Die Flugbahn der ukrainischen Angriffe ließ darauf schließen, dass die russischen Ölexporthäfen am Finnischen Meerbusen bei St. Petersburg erneut ein Ziel waren.
Mindestens zwei Tote bei russischen Angriffen auf die Ukraine
afp | Bei neuen russischen Angriffen auf die Ukraine sind mindestens zwei Menschen getötet und zahlreiche weitere Menschen verletzt worden. In der südöstlichen Region Cherson habe Russland mit „Artillerie, Granatwerfern und Drohnen“ angegriffen, erklärte die regionale Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Ein 42-jähriger Mann sei getötet worden, als eine Drohne ein ziviles Fahrzeug getroffen habe. Bei Luftangriffen und Artilleriebeschuss seien außerdem 16 Menschen verletzt worden.
In der nördlich der Hauptstadt Kyjiw gelegenen Region Tschernihiw habe eine ballistische Rakete Gebäude eines Unternehmens getroffen, erklärte derweil die zuständige Militärverwaltung. Dabei sei mindestens ein Mensch getötet worden. Bei Angriffen auf die Stadt Druschkiwka in der ostukrainischen Region Donezk wurden laut Behördenangaben mindestens neun Menschen verletzt.
Russland hat zuletzt seine Drohnenangriffe auf die Ukraine verstärkt. Laut einer Analyse der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Zahlen der ukrainischen Luftwaffe wurde die Ukraine im März von mehr Drohnen angegriffen als in jedem anderen Monat seit Beginn des Krieges im Februar 2022.
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