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Witze über MAGA-Bewegung Make Scheiße great (again)?

Ständig will jemand irgendetwas „great again“ machen, Wurst, Tütensuppe, Sonntagsbraten. Das zahlt alles für Trump ein. Bleibenlassen, meint taz FUTURZWEI-Chefredakteur Peter Unfried.

Die satirische Aneignung sollte man den Profis überlassen: hier Greenpeace in Brüssel Foto: picture alliance/dpa/AP | Virginia Mayo

taz FUTURZWEI | Beim Metzger in einer Berliner Markthalle steht: „Make Wurst great again.“ Irgendwo anders heißt es: „Make Sonntagsbraten great again“, „Make Tütensuppe great again“ und so weiter. Der Spruch, irgendetwas great again zu maken, soll meist witzig sein. Ich rate davon ab.

Bild: Paulina Unfried
Peter Unfried

Peter Unfried ist Chefreporter der taz und Chefredakteur von taz FUTURZWEI, Magazin für Zukunft und Politik. Außerdem Kolumnist und Autor. Spezialinteresse: Die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen ernsthafte Klimapolitik möglich wird. Unfried lebt in Berlin-Kreuzberg und wuchs in Stimpfach, Baden-Württemberg, auf.

Zwar ist US-Präsident Donald Trump nicht der Erste und Einzige, der den Slogan „Make America great again“ benutzt, aber er hat ihn zum Signature-Spruch der reaktionären und autoritären MAGA-Ideologie gemacht, die in vielerlei Hinsicht Zeiten und Kulturen wiederherstellen will, die eben nicht „great“ waren, sondern in denen wenige weiße US-amerikanische Männer auf Kosten aller anderen lebten.

Ein besonders negativer Höhepunkt der verunglückten Übernahme war, man muss es leider sagen, als die zweifelsfrei liberalemanzipatorische Parteivorsitzende Franziska Brantner bei einem Grünen-Parteitag vergangenes Jahr „Make Green great again“ in die Halle rief.

Da schauderte es einen, weil der MAGA-Claim halt immer mitschwingt. Außerdem: Als ob die Grünen in der Vergangenheit so supergreat gewesen wären und es nun nicht mehr seien. Richtig ist, dass sie, die wenigen Regierungsphasen ausgenommen, meist nur in der Opposition rumschimpften. Wenn das „great“ war, dann weiß ich auch nicht.

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Demokratie braucht Orte des Gemeinsamen, Wohnzimmer der Gesellschaft. Die damit verbundenen positiven Gefühle konstituieren Heimat. Mit jeder geschlossenen Kneipe, leerstehenden Schule, verödenden Ortsmitte geht das Gefühl des Gemeinsamen, geht Heimat verloren. Das ist ein zentraler Zusammenhang mit dem Aufstieg des Rechtspopulismus.

Mit: Aladin El-Mafaalani, Melika Foroutan, Arno Frank, Ruth Fuentes, Maja Göpel, Stephan Grünewald, Wolf Lotter, Luisa Neubauer, Jana Sophia Nolle, Paulina Unfried, Nora Zabel und Harald Welzer.

Es gibt auf den ersten Blick okaye Variationen, etwa „Make Our Planet great again“ von Emmanuel Macron in Reaktion auf Trumps Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen oder „Make America think again“ von Trump-Gegnern.

Manche denken auch, man könne Trump mit einer Verballhornung ironisch kritisieren. Aber auch die bestgemeinte Variante ist gleichzeitig eine Hommage und Affirmation des stumpfen MAGA-Slogans, der für ein Denken steht, in dem eben nicht „gemacht“ wird, sondern harte Fortschrittsarbeit in der richtigen Welt durch bequem-reaktionäre Gefühle ersetzt werden.

Ich fürchte: Wann immer jemand den Spruch variiert, gewinnt Trump. Alles, was man damit leisten kann, ist Scheiße great zu machen.

🐾 Lesen Sie weiter: Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe N°35 unseres Magazins taz FUTURZWEI mit dem Titelthema „Das Wohnzimmer der Gesellschaft“ – erhältlich im taz Shop.