Anschlag in Polen : Aus der Mitte der Gesellschaft
Polen ist in Schockstarre über die Todesschüsse in Krakau. Dass der Täter ein Landsmann ist, macht es nicht leichter.
Foto: Beata Zawrzel/ap
T errorismus ist für Polen Neuland. So etwas gibt es in Deutschland, Frankreich, Spanien oder Belgien, wo die Täter in erster Linie aus religiösem Fanatismus und „im Namen Allahs“ unschuldige Menschen morden. Polen habe dem von Anfang an einen Riegel vorgeschoben, fast nur christliche und der polnischen Kultur nahestehende Geflüchtete aufgenommen und sei so vom Terror verschont geblieben.
Und jetzt ist es ausgerechnet ein junger Pole, der in olivgrüner Tarnkleidung auf dem Krakauer Hauptmarkt willkürlich Menschen mordet. Für die Polizei war der passionierte Sportschütze bis zu der Gewalttat am Wochenende ein völlig Unbekannter. Mit dem Schussattentat hat das Sicherheitsgefühl vieler Polen einen deutlichen Dämpfer bekommen. Laut dem neuesten deutsch-polnischen Barometer, einer jährlichen Umfrage zu den Beziehungen, fühlten sich viele Polen in ihrem eigenen Land sicherer als in Deutschland.
Doch nun zeigt es sich, dass der „Terror-Import“ gar nicht das Problem ist. Der Terror sitzt mitten in der polnischen Gesellschaft. Und es braucht nur eine Initialzündung, um aus einem vermeintlich „normalen“ jungen Mann einen Terroristen zu machen, der mitten in der Kulturmetropole Krakau wahllos auf ausländische Touristen und polnische Einwohner schießt. Einmal mehr müssen die Polen ihr Selbstverständnis überdenken.
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Es ist eben einfach nicht so, dass „die Immigranten“ – egal ob Syrer, Afghanen oder Ukrainer – „die Bösen“ sind und die einheimischen Polen „die Guten“. Das hatten vorher schon die zum Teil tödlichen Messerstechereien an Polens Schulen gezeigt oder auch die oft gewalttätigen Übergriffe polnischer „Patrioten“ auf ukrainische Kriegsflüchtlinge. Dennoch sind Hass und Häme in Polens Gesellschaft nicht weniger geworden. In genau so einem Klima aber, das noch dazu von Polens rechtsnationaler Opposition angeheizt wird, gedeiht der Terror.
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