Demografie und Stadt-Land-Gefälle: Frauen auf dem Land sollen mehr arbeiten
Demografiestudie: Besonders auf dem Land „gibt es Arbeitspotenzial“ bei den Frauen, die nur in Teilzeit ackern.
Foto: Erich Andres/imago
Auf dem Land lebt man materiell gesehen gut, dabei herrschen in den Familienstrukturen eher traditionelle Rollenverteilungen zwischen Männern und Frauen. Das geht aus einer Datenauswertung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) hervor. So fallen die Einkommensunterschiede zwischen Metropolen, dicht besiedelten Landkreisen und ländlichen Regionen vergleichsweise gering aus, obwohl die Lebenshaltungskosten in den Städten höher sind.
Das mittlere Einkommen von Menschen in Großstädten, städtischen Kreisen und ländlichen Kreisen lag 2025 bei 1.889 Euro netto im Monat und war in allen drei Strukturräumen ähnlich, sagte BiB-Direktorin Katharina Spieß am Mittwoch in Wiesbaden. Dieser „Medianwert“ bezieht sich auf Einzelpersonen und ist der Einkommenswert, den die Hälfte der Bevölkerung rechnerisch mindestens erreicht.
„Beim Einkommen zeigt sich eine größere Kluft zwischen den Geschlechtern als zwischen den Wohnorten“, sagte Spieß. 60 Prozent der Männer in Großstädten und ländlichen Kreisen verdienten mehr als den mittleren Wert. Von den Frauen hingegen verdienten in Großstädten nur 42 Prozent mehr als das Medianeinkommen, in ländlichen Kreisen sogar nur 35 Prozent.
Gerade in den städtischen und ländlichen Kreisen sei der Anteil der erwerbsfähigen Frauen in Teilzeitarbeit besonders groß, sagte Spieß. Gerade dort, wo der Anteil der Babyboomer:innen hoch ist, die demnächst in Rente gehen, „liegt bei den Frauen ein Arbeitspotenzial, das die Studie sichtbar macht“, sagte Spieß.
Hoher Anteil zugewandert
Wobei es in den Metropolen relativ viele Frauen gibt, die gar nicht im Erwerbsleben stehen, auch das geht aus der Studie hervor. Dies sei auf den hohen Anteil der Zugewanderten dort zurückzuführen, sagte Harun Sulak, Mitautor der Studie. Mangelnde Sprachkenntnisse, fehlende berufliche Abschlüsse, eine mangelhafte Anerkennung der vorliegenden Abschlüsse und eine nicht gesicherte Kinderbetreuung spielten hier eine Rolle. Hier müsse „mehr Integrationsarbeit“ geleistet werden.
Die Zuwanderung verjüngt die Bevölkerungsstruktur in den Metropolen allerdings erheblich. Von den Minderjährigen haben in den Großstädten 55 Prozent einen Migrationshintergrund, in ländlichen Regionen sind es 30 Prozent. In den Metropolen liegt der Anteil der über 65‑Jährigen auch deswegen nur bei 19 Prozent, in den ländlichen Kreisen hingegen bei 25 Prozent.
„Die klassische Kernfamilie prägt vor allem die städtischen und ländlichen Kreise“, heißt es in der Studie. Laut der Erhebung leben 25 Millionen Menschen in Deutschland in sogenannten kreisfreien Großstädten, 32 Millionen in städtischen Kreisen – also weniger dicht besiedelten Gebieten – und 26 Millionen in den noch dünner bevölkerten ländlichen Kreisen.
Mit der geplanten Abschaffung der Minijobs und der Einschränkung der kostenlosen Mitversicherung für Familienangehörige will die Bundesregierung den Sozialkassen mehr Geld einbringen und darauf hinarbeiten, dass Frauen weniger in Teilzeit, sondern mehr in Vollzeit arbeiten. Wie das bei den Wähler:innen in ländlichen Regionen ankommt, ist eine heikle Frage.
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