Marathon in Berlin: Extrem Fußgängering an autofreiem Sonntag
Zehntausende rennen am Sonntag durch Berlin. Der Äthiopier Guye Adola ist als Erster im Ziel. Rollstuhlfahrer:innen genießen die Barrierefreiheit.
Foto: Andreas Gora/dpa
Beim größten Fußgängerevent Deutschlands haben sich am Sonntag wieder Zehntausende in der Berliner Innenstadt getroffen. Viele nutzen die dafür verkehrsberuhigte City für einen Dauerlauf. Weitere Massen standen an den Straßenrändern, um den Laufenden zuzujubeln.
Einige der Läufer:innen waren so emotionalisiert, dass sie die mehr als 40 Kilometer lange Strecke in kaum mehr als 2 Stunden zurücklegten.
Der nahezu weitgehend autofreie Sonntag findet in Berlin traditionell am letzten Septemberwochenende statt. Dafür wird eine 42 Kilometer lange Strecke kreuz und quer durch die Stadt für Autofahrer:innen blockiert. Rund 1.800 Polizist:innen regelten den restlichen Verkehr und sorgten für Sicherheit, damit niemand auf die gesperrte Strecke fährt.
Rund 50.000 Menschen nutzten die autofreie Zone für den Lauf des Berlin Marathons. Sie starteten im Tiergarten. Der Rundkurs führte über den Alexanderplatz und Kreuzberg runter nach Steglitz und zurück nach Mitte zum Brandenburger Tor. Am schnellsten war Guye Adola aus Äthiopien, der nach 2 Stunden, 2 Minuten und 50 Sekunden durchs Ziel lief.
Adola war nicht der Einzige mit einem weiten Anreiseweg. Menschen aus 162 Nationen waren laut Veranstalter eigens nach Berlin gekommen, um an dem Fußgängerevent teilzunehmen. Bereits am Samstag hatten Tausende an einem 5 Kilometer langen Vorlauf teilgenommen. An der gesamten Strecke spielten am Sonntag zahlreiche Bands unter dem strahlend blauen Himmel, so dass die Veranstaltung stellenweise einem Volksfest glich.
Auch hunderte Rollstuhlfahrer:innen nutzen die ausnahmsweise mal vollkommen barrierefreie Strecke für einen sportlichen Sonntagsausflug. Schon vor fast 20 Jahren hatten die Organisatoren des Rennens der taz erklärt, warum die Strecke für Menschen mit Rollstuhl so attraktiv ist: Auf sie warten 42 Kilometer ohne Treppenstufen, steile Rampen, hohe Bordsteine und rumpeliges Pflaster, die sie sonst im Alltag behindern.
Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
In einem Wahnsinnstempo erreichte am Morgen Daniel Ulmann Marcel mit seinem Handbike nach kaum mehr als einer Stunde das Ziel. Das entsprach einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp über als 40 Kilometern pro Stunde.
Da standen Autofahrer:innen ganz neidisch an der Straßenrand. Einige, die mal wieder gar nichts mitbekommen hatten, regten sich lauthals auf. Aber sie mussten teils stundenlang warten, bis die Strecke auch für sie wieder freigegeben wurde.
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