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Opposition in RusslandFernsehkoch Pawel Sjutkin muss sechs Jahre in Haft

Sein Hitler-Vergleich hat Russlands Präsident Putin nicht gefallen. Jetzt muss Fernsehkoch Pawel Sjutkin ins Gefängnis. Er nennt es eine „kreative Dienstreise“.

Sechs Jahre Strafkolonie: So lautet das Urteil eines Moskauer Gerichtes vom Dienstag gegen Pawel Sjutkin. Die Anklage hatte acht Jahre gefordert. Der Vorwurf gegen den russischen Historiker, Publizisten und Blogger lautete auf Verbreitung von Falschnachrichten über die Armee.

Am 19. April 2022 hatte Sjutkin auf seinem Telegram-Kanal „Russische Küche: Geschichte“ einen Post über die Ukraine verbreitet. Dabei ging es um das Massaker, das russische Soldaten im Frühjahr 2022 an der Zivilbevölkerung in Butscha, einem Vorort von Kyjiw, verübt hatten.

„Kyjiw wurde bombardiert – Putins Krieg wies direkte Parallelen zu dem Krieg Hitlers auf. Nun hat auch Putin sein eigenes Babyn Jar (nationalsozialistisches Massenverbrechen im Zweiten Weltkrieg an der jüdischen Bevölkerung in der Ukraine mit 33.771 Toten, Anm. d. Red.). Butscha – mehr als zweihundert erschossene Zivilisten: Frauen, Alte, Kinder“, hatte der heute 61-Jährige geschrieben.

Dass derartige öffentliche Äußerungen in Russland bestraft werden, dürfte Sjutkin kaum überraschen. Dennoch erfolgte seine Festnahme erst im Oktober 2025. Kremltreue Blogger und Aktivisten halfen dabei tatkräftig.

Doktortitel in Geschichte

Der vierfache Vater wurde am 19. Juni 1965 geboren. 1987 schloss er ein Studium am renommierten Moskauer Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO) ab. Drei Jahre später verteidigte er seine Dissertation im Fach Geschichte zum Thema „Ideologische Aspekte der US-Politik in Zentralamerika“.

Danach versuchte er sich zunächst im Bankensektor. Bekannt wurde Sjutkin im Jahr 2011, als ein erstes Buch erschien, das er mit seiner Frau Olga verfasst hatte: „Die wahre Geschichte der russischen Küche“. Während er sich in historische Nachforschungen kniete, steuerte seine Frau Rezepte bei.

Einen Durchbruch und die Beförderung zum Küchenexperten brachte Sjutkin das nächste Buch „Die wahre Geschichte der sowjetischen Küche“ ein. Er und seine Frau wurden mit dem Gourmand World Cookbook Award in der Kategorie Geschichte ausgezeichnet, der Titel wurde ins Englische übersetzt.

An der Expo-2015 in Mailand nahm Sjutkin als Vertreter Russlands teil, er arbeitete in der staatlichen Kommission für Gastronomietourismus mit, schrieb Bücher und war ein ständiger Gast in Rundfunk und Fernsehen.

„Kreative Dienstreise“

2022 erschien Sjutkins wichtigstes Werk: „Russische Küche. Vom Mythos zur Wissenschaft“. Darin werde nicht nur die Geschichte von Gerichten oder Essgewohnheiten erzählt, sondern auch dargelegt, wie sich die russische Küche mit dem Land wandelte und die gesellschaftliche Entwicklung widerspiegele, so die Meinung des Historikers Alexei Uwarow.

2026 erblickte eine weitere historische Abhandlung das Licht der Welt – unter dem Namen seiner Frau, da Sjutkin in Untersuchungshaft saß. Seine Frau war es auch, die Interessierte weiter mit Informationen versorgte. Ihrem Mann gehe es gut, er bezeichne seine Haft als „kreative Dienstreise“, arbeite an einem neuen Buch und bringe seinen Zellengenossen Englisch bei. Seine Unterstützer rief er auf, die Fassung zu bewahren.

Das versucht er offensichtlich auch selbst. Unmittelbar nach seiner Festnahme hatte Sjutkin eine Videobotschaft aufgenommen: „Jeder aufrichtige Schriftsteller, Journalist oder Historiker muss jederzeit auf eine Gefängnisstrafe gefasst sein. Heute hat es mich getroffen. Aber wir sollten nicht verzweifeln. Der Tag wird kommen, an dem diese Dunkelheit über Russland verschwinden wird“, sagte er. Fragt sich nur, wann.

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