Brazilian Waxing: Landing Strip
Auf einer Liege, nackt, unter kaltem Neonlicht und Schmerzen antizipierend, kann einem schon mal ein bisschen schwitzig werden.
M ein Unterkörper ist frei, ich liege auf einer Liege. Mein Oberkörper ist bekleidet. Über mir steht eine Frau, älter als ich, und redet beruhigend auf mich ein. Sie sagt, ich soll mein Bauchfett nach oben ziehen und ganz langsam ein- und ausatmen. „Landing Strip?“, versichert sie sich. Vor Panik leicht keuchend stimme ich zu.
Mein Unterkörper ist so feucht von meinem Angstschweiß, dass sie eine ganze Weile lang daran herumtupft, bis er trocken genug ist, um der heißen, klebrigen Masse auf mir Halt zu geben. Sie tupft und tupft, manchmal schüttelt sie, leicht genervt, den Kopf. Dann verteilt sie heißes Wachs auf meinem Unterkörper. Sie drückt es fest und wartet einen Moment, bis es fest geworden ist. Dann bedeutet sie mir, einzuatmen und dabei meinen Bauch nach oben zu ziehen. Ich folge ihren Anweisungen. Mein Herz rast und ich sehe leicht verschwommen, panische Sternchen kreisen über mir. Ohne mich vorzuwarnen, zieht sie.
Der Schmerz ist stark, aber kurz. Nichts gegen die Angst vor dem Schmerz. Nichts gegen die Angst davor, dass sie mir, aus Versehen, die Schamlippen mit den an ihnen hängenden Härchen zusammen abzieht. Je sensibler die Körperteile werden, die sie bearbeitet, je dünner die Haut, je verborgener, je heimlicher – und für nur wenige außer sie zugänglich –, desto panischer werde ich.
Über mir kreisen Sterne, meine verschwitzten Hände krallen sich in das riesige Papiertuch, wie ein Küchentuch für den Körper, auf dem ich liege. Sie Frau bedeutet mir souverän, meine Knie hochzuziehen und mit den Händen festzuhalten. Ich liege jetzt vor ihr wie ein Kind auf dem Wickeltisch vor seinen Eltern. Der letzte Teil ist der, der mir am wenigsten Angst macht.
Vielleicht ist es die infantile Position, die mir Vertrauen schenkt. Als sie fertig ist, verteilt sie sehr viel weißes Puder auf mir und verlässt den Raum. Ich setze mich auf und ziehe mich langsam wieder an. Zuerst meine Unterhose. Dann schiebe ich meinen Rock nach unten. Ich bin sehr erschöpft und sehr erleichtert. Auf meinem Schambereich eine nackte, rot gefleckte Gänsehaut, auf ihr sehr viel weißes Babypuder. Ich hole Bargeld am Automaten vor der Tür, schäme mich ein bisschen vor den Leuten, die sehen, dass ich aus dem Laden komme. Ich gebe verhältnismäßig viel Trinkgeld. Diese höfliche, routinierte Frau hat viel gesehen, denke ich.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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