Studie von Unicef: Jedes fünfte Kind erleidet sexuellen Missbrauch im Internet
Kinder sind im Internet womöglich häufiger sexuellem Missbrauch ausgesetzt als bisher angenommen. Das zeigt eine Unicef-Untersuchung in 21 Ländern.
Foto: Jens Kalaene/dpa/dpa-tmn
kna | Jedes fünfte Kind ist innerhalb eines Jahres im Internet sexuell missbraucht oder ausgebeutet worden. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des UN-Kinderhilfswerks Unicef hervor. Untersuchungen dafür wurden in 21 Ländern durchgeführt. Dort sind nach Schätzungen der Organisation 20 Millionen Mädchen und Jungen betroffen. Deutschland gehörte nicht zu den untersuchten Ländern.
Laut Bericht „Through Children's Eyes: How Digital Technologies Enable Child Sexual Abuse“ wurden mehr als 15 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren ungewollt sexuellen Inhalten ausgesetzt. 9 Millionen wurden demnach aufgefordert, gegen ihren Willen sexuelle Gespräche zu führen oder sexuelle Bilder zu teilen. Von 4 Millionen wurden sexuelle Bilder ohne ihre Zustimmung weiterverbreitet. Unicef schätzt das Ausmaß jedoch weit größer ein, denn: Viele Kinder würden die Erlebnisse nicht melden.
Missbrauch auf Social-Media-Plattformen
Nahezu 60 Prozent der Fälle ereigneten sich den Ergebnissen zufolge auf Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram, Snapchat, Tiktok und Whatsapp. Weitere 14 Prozent der Fälle fanden demnach in Onlinespielen statt. Durch Funktionen und Gestaltung dieser Plattformen habe man das Vertrauen ausgenutzt.
Missbrauch geschehe etwa durch gefälschte Konten. In den untersuchten Ländern hätten 38 Prozent der Kinder die Person, die sie missbrauchte, zunächst online kennengelernt. Allerdings: In gut jedem zweiten Fall (57 Prozent) waren Personen beteiligt, die das Kind bereits kannte, etwa Gleichaltrige oder Familienangehörige. Das widerspreche der gängigen Annahme, dass Onlinemissbrauch hauptsächlich von Fremden begangen wird.
Sexueller Missbrauch
In diesem Text werden Missbrauch und sexuelle Übergriffe gegenüber Minderjährigen beschrieben. Wenn Sie selbst von sexuellem Missbrauch betroffen sind, können Sie sich an das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch wenden, Telefon: 0800 22 55 530.
Unicef warnte auch vor den weitreichenden Folgen der technologiegestützten sexuellen Ausbeutung. Kinder hätten häufig Gefühle wie Angst, Scham, Verwirrung und Isolation, zitiert Unicef aus Forschungsinterviews. Auch gaben laut Studie Kinder, die technologiegestützte sexuelle Ausbeutung erlebt hatten, viermal häufiger an, Suizidgedanken zu haben oder suizidales sowie selbstverletzendes Verhalten zu zeigen, als Kinder ohne diese Erfahrungen.
Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell sprach von einer schmerzhaften Realität. Kinder seien sexuellen Inhalten oder Ausbeutung oft in Räumen ausgesetzt, „in denen sie lernen, spielen und mit Freundinnen und Freunden in Kontakt treten“. Diese Erfahrungen verursachten tiefgreifende seelische und psychische Belastungen. „Viele Kinder leiden im Stillen und wissen nicht, an wen sie sich wenden können. Wir dürfen nicht wegsehen“, forderte Russell.
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